P. O’D., Washington, im November

Die UNO ist in den vergangenen zwei Wochen einem Weltparlament ähnlicher geworden als je zuvor. Damit richtet sich im stärkeren Maße als bisher das Interesse auf die Akteure, die dort in Rede und Gegenrede, durch Anklage und Verteidigung die Haltung der Staaten, von denen sie entsandt wurden, zu vertreten haben.

Cabot Lodge junior ist der Vertreter der Vereinigten Staaten. Er kommt aus einer reichen und vornehmen amerikanischen Familie, von der man immer gesagt hat: „Die Lodges sprechen nur mit den Cabots, und die Cabots nur mit dem lieben Gott.“ Seine Familie ist wirklich sehr alt. Aber in der UNO glänzt er nicht gerade, sondern neigt dazu, schroff, überheblich und unhöflich zu erscheinen – besonders im Umgang mit den Russen.

Sir Pierson Dixon vertritt Großbritannien. Er sieht noch sehr jung aus, und man merkt ihm seine Herkunft von Universität und Foreign Office stark an. Er hat ein Buch über Catull geschrieben, spricht sorgfältig und gewählt. Es klingt immer sehr gebildet. Unwiderstehlich ist er nicht.

Bernard Cornut-Gentille ist der französische Delegierte. Er sieht aus, als ob er einem Roman von Nancy Mitford über die französische Aristokratie entstiegen wäre: peinlich korrekt im Auftreten, crewcut-Haarschnitt, athletisch gebaut, zynisch und messerscharf in seinen Äußerungen. Er ist ehemaliger Kolonialbeamter und verdankt seine Ernennung politischen Erwägungen. Man sagt, er kommandiere seine Delegation, wie er früher seine Kolonie kommandiert hat. Er wollte auch den Sicherheitsrat kommandieren – aber das ging über seine Kräfte.

Arkadi Sobolew spricht im Auftrag der Sowjetregierung. Er ist persönlich eigentlich sehr beliebt – nur nicht bei Mr. Lodge. Ein kräftiger Mann mit gerötetem Gesicht, in dem es manchmal zuckt. Er ist niemals aufgeregt und nur selten sarkastisch. Er redet gern über seine Kinder, und man kriegt jedesmal Lust, ihn zu einem drink einzuladen.