Anläßlich der für den 4. Dezember anberaumten Generalversammlung der Deutschen Lufthansa AG soll eine Aufstockung des Aktienkapitals der Gesellschaft um 40 Mill. DM auf insgesamt 120 Mill. DM erfolgen. Wer die bisherige Entwicklung des Unternehmens nach seiner Neugründung aufmerksam verfolgte, weiß, daß auch dieser Betrag nicht ausreichen wird, um einmal in der Bilanz der Gesellschaft für die kommenden Jahre Gewinne auszuweisen, und zum anderen aber auch den luftverkehrswirtschaftlichen Ansprüchen der bundesdeutschen Industrie und des bundesdeutschen Staatsbürgers auch nur im entferntesten Rechnung zu tragen.

Vielleicht gelingt es durch den Erwerb brauchbaren Mittelstreckenfluggeräts aus zweiter Hand, einige Verbesserungen im innerdeutschen und innereuropäischen Dienst der Lufthansa zu erreichen. Keinesfalls jedoch erlaubt er jene große Konzeption, die mit Hilfe eines umfassenden Investitionsprogrammes auf allen Gebieten des Unternehmens verfolgt werden muß, um den Zeitpunkt der absoluten Konkurrenzfähigkeit auf dem Markt zu erreichen. In diesem Zusammenhang kann nur erwähnt werden, daß allein eine Superconstellation mit Ersatzteilen Investitionen von rund 10 Mill. DM erfordert, während eines jener vier in Auftrag gegebenen Strahlverkehrsflugzeuge der Lufthansa (Lieferung 1960) Aufwendungen in Höhe von 20 bis 25 Mill. DM notwendig werden lassen. Das bedeutet nichts anderes, als daß die Gesellschaft trotz beabsichtigter Kapitalaufstockung und erzielter Abschreibungsaktiven in den kommenden Jahren einer zunehmenden Verschuldung gegenüber ihren Flugzeuglieferanten entgegengeht, will sie ihren Flugzeugpark auch nur minimal vergrößern.

Unter dem Gesichtspunkt der erst zehn Jahre nach Beendigung des zweiten Weltkrieges erfolgten Verkehrsaufnahme der neuen Lufthansa und der damit gegebenen scharfen Konkurrenz, der sie als jüngstes und kleinstes Linienunternehmen ausgesetzt ist, kann nur eine großzügige Kapitalaufstockung aus ihm jenes nationale Luftverkehrsunternehmen machen, das die Bundesrepublik braucht, um von dem schnellsten Verkehrsmittel unserer Zeit in der Welt nicht nur repräsentativ vertreten zu werden, sondern auch bei der Gestaltung des Weltluftverkehrs politisch und technisch ein Wort mitreden zu können. K. W. St.