Seit einigen Monaten können Inländer gegen D-Mark ausländische Wertpapiere erwerben Es läßt sich allerdings nicht behaupten, daß von dieser Möglichkeit bislang viel Gebrauch gemacht worden ist. Das hat mehrere Gründe. Zunächst einmal ist der deutsche Wertpapierinteressent lange Jahre von den ausländischen Papieren ferngehalten worden; es sind ihm also weder die in Frage kommenden Gesellschaften, deren Aktien sich zu kaufen lohnen, bekannt, noch sind ihm die Börsenusancen des Auslandes geläufig. Beide Hindernisse lassen sich im Laufe der Zeit durch geeignete Aufklärung und Unterrichtung überwinden. Hemmend bleibt jedoch, daß der Erwerber ausländischer Aktien nicht in den Besitz der effektiven Stücke kommen kann‚ veil die Vorschrift ausdrücklich die Hinterlegung der Aktien bei einem ausländischen oder deutschen Institut verlangt. Damit sind sie – die Erfahrung hat es gezeigt – jederzeit dem Zugriff staatlicher Stellen ausgesetzt, die sowohl eine Herausgabe der Stücke selbst oder der auf sie entfallenden Dividenden verlangen könnten.

So scheuen sich viele Leute, ausländische Aktien als Daueranlage zu benutzen. Sie sind jedoch bereit, sie zu einerspekulativen Zwischenanlage heranzuziehen. Infolge der größeren Kursschwankungen in New York bieten sich für ein solches Geschäft lohnende Chancen – vorausgesetzt, daß man auf der richtigen Seite steht! Der echten Vermögensanlage in USA-Papieren steht vor allem die immer noch nicht erfolgte Freigabe des beschlagnahmten deutschen Besitzes entgegen. Die Neigung, sich in Papieren eines Staates zu engagieren, der elf Jahre nach Kriegsende noch nicht bereit ist, die Rechte des Privateigentuns wiedeiherzustellen, wird dadurch natürlich gedämpft.

Wenn jetzt dennoch dazu übergegangen wird, einen Handel in amerikanischen Werten auf Basis einer DM – Notiz zu organisieren, dann ist es ohne Zweifel ein mutiger Schritt, der in der Hoffnung getan wird, daß sich daraus ein ständig lebhafter werdendes Geschäft entwickelt, das vielleicht dazu beiträgt, die verläufig noch vorhandenen Barrieren abzubauen. Solange das im Besitz von Inländern befindliche Aktienmaterial noch relativ gering ist, muß sich die DM-Notiz zwangsläufig an die New Yorker Notierungen eng anlehnen. Eine, nennenswerte Eigenbewegung ist also nahezu ausgeschlossen. Darauf kommt es den Initiatoren der DM-Notiz wohl auch kaum an. Durch die Schaffung „deutsche!“ Kurse für amerikanische Aktien soll vorerst der Verkehr in diesen Papieren popularisiert werden. Es wird also ein Stück Pionierarbeit geleistet, die es ohne weiteres möglich machen sollte, über gewisse Unebenheiten hinwegzusehen. Börsentechnisch geschieht die Kursbildung für amerikanische Aktien auf der Basis „Telephonverkehr“. Von einer amtlichen Notiz kann vorläufig nicht die Rede sein, weil die in Deutschland vorhandenen (oder in deutschem Besitz befindlichen) amerikanischen Aktien noch nicht einen entsprechenden Umfang angenommen habet, der eine echte Kursbildung zuläßt. Immerhin ist das von der Frankfurter Maklerkammer herausgegebene amtliche Frankfurter Kursblatt seit geraumer Zeit dazu übergegangen, die im Telephonverkehr genannten DM-Kurse für amerikanische Werte zu veröffentlichen. Eine Anzahl Tageszeitungen ist diesem Beispiel gefolgt.

Notiert werden vorerst einige wenige Standardpapiere des amerikanischen Marktes, von denen anzunehmen ist daß sie über internationales Ansehen verfügen. Genau wie bei den deutschen Spitzenwerten liegt in dieser Fällen die Nettorendite relativ niedrig. Von dieser Seite her ist also der Anreiz zum Erwerb nicht sonderlich groß Wer amerikanische Aktien in sein Portefeuille nimmt verbreitert aber die Risikostreuung und wird unter Umständen Teilhaber an der Konjunktur, mit der die amerikanische Wirtschaft nach der Wiederwahl Eisenhowers rechnet.

In dieser Ausgabe beginnen wir mit der Veröffentlichung von „Steckbriefen“ jener amerikanischer Aktien, die für die DM-Notizen im Telephonverkehr genannt werden.

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General Motors Corporation. – Die Gesellschaft ist mit Abstand der größte Kraftfahrzeugproduzent der Welt. Der Marktanteil des Unternehmens an der Produktion von Personen- und Lastwagen in den USA und Kanada beläuft sich auf etwa 50 v.H. Das Personenwagenproduktionsprogramm gliedert sich in die Modelle Chevrolet, Buick, Pontiac, Oldsmobile und Cadillac. Im Besitz des Konzerns befinden sich auch die Adam Opel AG, Rüsselsheim, sowie die Vauxhall- und Bedford-Werke in England und die General Motors Holden’s Ltd. in Australien. Neben den Kraftfahrzeugen werden Kühlanlagen, Kühlschränke, Klimaanlagen, Haushaltsmaschinen, Dieselmotoren, diesel-elektrische Lokomotiven, Flugzeugmotoren, Düsentriebwerke und Turbinen produziert. Der Umsatz lag in 1955 mit 12,4 Mrd. $ um 27 v. H. über dem des Vorjahres. Der Reingewinn belief sich auf 9,6 (8,2) v. H. des Umsatzes. Das AK beträgt 748,3 Mill. $, die Reserven machten in 1955 genau 3506,7 Mill. $ aus. In den letzten Monaten ist das Unternehmen von der Absatzkrise, die in der USA-Automobilindustrie herrscht, nicht verschont geblieben. Dadurch ging der Kurs der shares auf etwa 47 $ pro Stück gegenüber dem Höchstkurs in 1955 von 54 $ zurück. Der Höchstkurs 1956 betrug bisher 49 1/4 $. Die DM-Notiz liegt gegenwärtig bei 186/190 DM je Stück. In 1955 wurden insgesamt 2,16 2/3$ an Dividenden gezahlt. Auf der jetzigen Kursbasis errechnet sich eine Bruttorendite von etwa 4,6 v. H.