Fritz Berg: „Wir müssen auf der Investitions-Förderung bestehen“

Auf einer Münchener Tagung des Wirtschaftsbeirats der CSU/CDU zog Fritz Berg, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Ende vergangener Woche die Bilanz der wirtschaftspolitischen Lage und gab einen Überblick über die Auffassungen der westdeutschen Industrie von den jetzt notwendigen Maßnahmen auf dem Gebiet der Binnen- und Außenwirtschaft. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die Feststellung, daß unsere Gläubigersituation zu einem Störenfried der Weltwirtschaft zu werden drohe, ein Allheilmittel dagegen jedoch noch nicht gefunden sei. Angesichts der vielfältigen Rezeptur verneinte Berg die Möglichkeit eines Allheilmittels: man müsse vielmehr Verschiedenes tun und alles aufeinander abstimmen. Gerade an diesem Beispiel zeige sich wieder einmal, wie notwendig eine Wirtschaftspolitik aus einem Guß“ wäre, wie sie schon mehrfach gefordert worden sei. Es lag nahe, daß sich Präsident Berg auch mit der jüngsten Preisentwicklung beschäftigte, zu der er feststellte, daß es dem Endverbraucher gleichgültig ist, ob die Preiswirren von den importierten Rohstoffen herrühren oder auf die Lohn-Preis-Spirale zurückzuführen sind. Er mahnte daher erneut zum Maßhalten, betonte andererseits aber auch, daß die Industrie diese Entwicklung nicht allein in der Hand habe. Aus diesem Grunde forderte er von der amtlichen Wirtschaftspolitik, daß sie überall da, wo es angeht, den Kostendruck wegnehmen solle. Weiter verlangte er aber ebenfalls die Sicherheit einer volkswirtschaftlichen Rohstoffreserve.

Einleitend hatte Fritz Berg festgestellt, daß die augenblicklichen weltpolitischen Vorgänge für die Bundesrepublik keine direkten Wirkungen haben würden, weil durch den Suezkanal kaum ein Achtel unserer Importe und ein noch wesentlich kleinerer Teil unserer Exporte ginge. Doch indirekt werde auch Westdeutschland erheblich betroffen, wie sich ja insbesondere die erneute Schwächung des Sterling-Raumes nachteilig für uns auswirke. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen kam Berg auf den fühlbaren Investitionsrückstand zu sprechen, der in Westdeutschland gegenüber den modernen Industriestaaten noch zu beseitigen ist: „Ganze Produktionsbereiche, die in fortschrittlichen Volkswirtschaften selbstverständlich geworden sind, haben wir gerade erst angeritzt – Atomenergie, Automatisierung, Petrolchemie und Luftfahrtwesen. Aber auch in anderen Bereichen schlagen sich noch viel zuviel Unternehmer mit veralteten Maschinenparks herum. Deshalb müssen wir auf der Förderung der Investitionen bestehen!“ Hierzu wartete Berg übrigens mit einigen gravierenden Beispielen aus den USA auf: dort wurde für einen industriellen Arbeitsplatz bisher durchschnittlich eine Investition von etwa 11 000 $ als notwendig angesehen; in den vollautomatisierten Branchen aber kostet jeder neue Arbeitsplatz die runde Summe von 100 000$...

Beachtung verdient Bergs Zusage, die amerikanischen Versuche und Erfolge mit dem sogenannten „Volkskapitalismus“ – also einer breiten Streuung des produktiv eingesetzten Volksvermögens – ernsthaft zu prüfen und für die Bundesrepublik fruchtbar auszuwerten. Doch als Ziel der Lohnpolitik (Berg bezeichnete den Kieler Streik in der Metallindustrie als „Wahlpolitik“) kann diese Umverteilung so lange nicht gelten, als sie die Investitionen nicht sicherstellt. Er sagte dazu wörtlich: „Wir schädigen die Zukunft unseres Volkes, wenn wir noch mehr als bisher von dem gemeinsam erarbeiteten Sozialprodukt in die Konsumrate überführen.“ we.