o. f., Hamburg

Zum Zwecke der Einrichtung altdeutscher Wohnungen für Filmausstattung und für Übersee suchen wir dringend Altertümer aller Art vor 1850. Auch Sie werden sicherlich auf dem Boden, im Keller, in Abstellräumen oder versteckt in Schränken Gegenstände stehen haben, die Sie zu gutem Preis verkaufen möchten ...“ So beginnt ein Schreiben, das eine derart heftige Auseinandersetzung auslöste, daß sich danach sogar ein Gericht grundsätzlich mit Fragen des Kunsthandels und des Exports von Kunstgegenständen auseinandersetzen muß.

Den Brief, der in einer Aufzählung von alten Bauerntruhen über Petroleumlampen bis zum Zinnteller alles nennt, was von antiquarischem Wert ist, verschickte die Hamburger Kunsthandlung Ahrens & Griese in drei Postwurfsendungen zu je 5000 Stück an die Bauern niedersächsischer Landkreise. Worauf der Niedersächsische Heimatbund in Hannover in einem Appell an alle Heimatvereine und Besitzer heimatgebundenen Kunstgutes heftig protestierte mit dem Hinweis, daß die Kunstgegenstände, da sie für den Export bestimmt seien, dem ohnehin an Altertümern armen Niedersachsen unwiederbringlich verloren gingen. Dieser Einwand ist stichfest. Ob er aber nachhaltige Wirkung verspricht?

Seit dem vorigen Jahre gibt es ein „Bundesgesetz zum Schutz deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung“. Dieses Gesetz schließt jedoch nur solche einmaligen Gegenstände vom Export aus, die in einem „Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes“ von den Landeskultusministerien als unbedingt schutzwürdig genannt sind. Ein Gesetz, das jegliches Kulturgut vor Ausfuhr schützt, gibt es zwar in Griechenland und Italien, nicht aber bei uns.

Der Kunsthändler Griese verteidigt sich heftig gegen den Vorwurf des Niedersächsischen Heimatbundes, den er denn auch wegen Geschäftsschädigung verklagen will, und sagt: „Wenn es noch wertvolles Kulturgut in Deutschland gäbe, würde ein Export nur dazu dienen, unserem Land wieder Geltung als Kulturnation zu verschaffen. Aber dieses Kulturgut ist bereits im Ausland; wir haben hier nur noch belangloses Gerümpel. Die deutschen Kunsthändler haben sogar allein im letzten Jahre sieben Millionen Mark für den Rückkauf deutschen Kulturgutes aus dem Auslande aufgebracht.“

Und sein Kollege Wadzinski meint dazu: „Unser Existenzkampf ist hart geworden, weil uns das Hinterland, aus dem wir früher Angebote bekamen – Pommern, Sachsen, die preußischen Provinzen – fehlt. Wir müssen nun unter großem Aufwand selbst aufs Land ziehen und die wenigen halbwegs wertvollen Gegenstände in jedem einzelnen Bauernhaus suchen. Wenn wir diese Dinge nicht vor der Vernichtung retten – denn die Bauern wissen oft ihren Wert nicht zu schätzen – dann tut’s keiner.“ Und er weist auf eine neuaufgekaufte, mehrere hundert Jahre alte Truhe, die neben ihm steht; ihr einst kunstvoll bemalter Deckel lehnt daneben – er wurde in Ermangelung eines Brettes bis jetzt dazu benutzt, im Fußboden der Wohndiele ein Loch zu schließen ...

Von solchen Dingen wissen auch die Leiter der Museen und Kulturbehörden zu erzählen, aber ihnen fehlen ausreichende Mittel, ihre Konservatoren auf „Entdeckungsreisen“ zu schicken. Ihnen bleibt häufig nur, mit den Kunsthändlern zusammen zu arbeiten und von diesen ihre museumswürdigen Gegenstände zu kaufen. Das ist jedoch nicht überall so: Eine amtliche Hamburger Stelle hat beispielsweise ihre Experten in die bäuerlichen Vierlande geschickt und dort wochenlang an der Zusammenstellung eines zum Teil bebilderten Katalogs arbeiten lassen, der sämtliche im privaten Besitz befindliche Kunstgegenstände verzeichnet. Dies hatte den Erfolg, daß die Bauern auf den Wert ihres bis dahin unbeachteten Besitzes aufmerksam gemacht wurden. Viele beschlossen, sich nicht von ihrem Gut zu trennen; andere riefen, wenn ein Händler auftauchte, die Behörde rückfragend an, welchen Preis sie verlangen könnten.

Man kann aus alledem die Sorge der Kunsthändler verstehen, denen oft allein die Erhaltung wertvoller Altertümer zu verdanken ist. Man sieht aber auch, welch tiefer Sorge um dasselbe Anliegen der Appell des Heimatbundes entspringt.