H.Th., Düsseldorf

Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm hat vor einiger Zeit bekanntgegeben, daß die Bundesrepublik künftig über zwei Flughäfen für den zivilen Verkehr mit Düsenflugzeugen verfügen werde. Diese würden „gigantische Ausmaße“ haben, ihre Kosten (zusammen) etwa eine Milliarde DM betragen.

Die Diskussion über den Standort diese: Flughäfen ist im Gange. Entzündet hat sich der Streit der Meinungen an dem Vorhaben Düsseldorfs, seinen unmittelbar an dichte Wohngebiete anschließenden Flughafen Lohausen für den Düsenverkehr auszubauen. In einer Denkschrift bringt Düsseldorf für seinen großzügigen Plan bestechende Gründe vor: Man befinde sich am eigentlichen Schwerpunkt des Verkehrsaufkommens, man könne zum ersten Male Flughafen und Eisenbahn zusammenbringen („Schiene und Schwinge unter einem Dach“), auch die Autobahn sei in der Nähe, und im übrigen brauche man hier an Stelle einer Neuanlage nur einen Flugplatz von schon jetzt bedeutendemRange auszubauen. Die Argumente der Gegner dieses Vorhabens sind nicht weniger eindrucksvoll: Man opfere den vom Standpunkt der Landesplanung aus völlig unentbehrlichen Siedlungs- und Erholungsraum zwischen den Städten Düsseldorf und Duisburg, man gefährde das Einzugsgebiet eines für die Stadt Duisburg lebenswichtigen Wasserwerkes und man trage seine Pläne aus auf dem Rücken der Bevölkerung eines dichtbesiedelten Gebietes, deren Ruhe und Sicherheit durch den immer pausenloser werdenden Tag- und Nachtbetrieb mit lautstarken Flugzeugen rücksichtslos einem vermeintlichen Fortschritt geopfert werde. Einen Düsenflugplatz presse man nicht eng zwischen zwei aufeinander zuwachsende Großstädte, sondern man baue ihn, wie überall, möglichst weit ab von den Wohngebieten.

Vor vollendeten Tatsachen

Der Kampf der streitenden Parteien hat leidenschaftliche Formen angenommen. Unter den Vorkämpfern des Planes steht die Stadt Düsseldorf, die als Landeshauptstadt und als „Schreibtisch des Ruhrgebietes“ den Flughafen für sich beansprucht, steht die Flughafenbetriebsgesellschaft mbH, die verständlicherweise ihre eigenen Ziele verfolgt, scheint aber auch ein Mann wie der Staatssekretär Prof. Brandt zu stehen, der in weiten Räumen denkt und plant.

Die Abwehr bildete zunächst ganz allein das Amt Angerland, das mit seinen Gemeinden Wittlaer und Angermund von den Plänen unmittelbar gebietsmäßig betroffen wird. Erschien dieser Widerstand zunächst nur als das übliche Wehgeschrei derer, die von öffentlichen Maßnahmen betroffen werden, so stellten sich doch bald starke Bundesgenossen ein, an der Spitze die Stadt Duisburg, der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk und die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer.