L., München

Chefarzt Dr. Heinecke vom Perlacher Krankenhaus in München bebte vor innerer Erregung, als er vor dem Militärgericht des 317. US Air Force Transportgeschwaders auf dem Flugplatz Neu-Oberg als erster Zeuge vernommen wurde. Wochenlang hatte er die 14jährige Ingrid W. behandelt, Gleich nach dem Überfall wurde das Kind eingeiefert (ZEIT Nr. 40).

„... sie stand – unter einer starken seelischen Schockwirkung. Ihr Gesicht war ganz verschwollen, so daß Ingrid kaum ihre Augenlider öffnen konnte. Sie hatte Kratzwunden am Gesicht und an den Beinen. Anläßlich der Untersuchung am nachten Tag stellte ich starke innere Verletzungen fest.“ Der Arzt schwieg. Der Oberst hinter dem schmalen Richtertisch dankte. Dr. Heinecke verließ, den kleilen Gerichtsraum.

Die Verhandlung gegen die vier US-Luftwaffenangehörigen wegen Verabredung zur Vergewaltigung und gewalttätiger Unzucht ging weiter. Das Bericht bestand jetzt nur noch aus sieben Offizieren und drei Unteroffizieren. Der erste Verbandungstag erstreckte sich auf die „Richterverhöre“. – „Wieviel Kinder haben Sie?“ „Auch Töchter?“ „Schon einmal beim Militärgericht gewesen?“ „Würden Sie für eine harte Strafe plädieren?“ Einige Offiziere verfingen sich in diesem Fragengewirr der beiden Verteidiger und wurden wegen Befangenheit abgelehnt.

Lebenslängliches Zuchthaus hätte nach amerikanischem Recht verhängt werden können, und die seinen Angeklagten, der eine 22, der andere 19 Jahre alt, wußten das. Mit angstgeweiteten Augen und eingefallenem Gesicht saßen die jungen Soldaren am Tisch der Verteidigung. Da verlangte der Ankläger die Vorführung des 14jährigen Mädchens.

Die Staatsanwälte Wiedemann und Bode von der Staatsanwaltschaft München I waren als Beobachter erschienen. Sie hofften, daß sich in Neubiberg kein ähnlicher Fall ereignen würde wie damals in Würzburg. Nein, diesmal brauchte das Opfer nicht zu erscheinen. Es blieb ihr erspart, noch einmal angesichts ihrer Peiniger und der Öffentlichkeit die genauen Hergänge des Verbreciens schildern zu müssen. Leise und stockend verlas die Gerichtsdolmetscherin das Protokoll... „Ein Wann mit einem roten Hemd hatte es getan. Zwei hatten festgehalten, davon einer mit auffallend abstehenden Ohren. Der hat auch geschlagen. Ein Kleiner war abseits stehengeblieben. Das war der 19jährige Gefreite aus Maryland gewesen.“

Erschütternde Einzelheiten. Erst am nächsten Tag wurde die Verhandlung fortgesetzt. Die Verteidigung sprach dann von mildernden Umständen und führte an, daß die Soldaten betrunken gewesen waren und daß sie ihre Untat tief bereuten.