Der siebzigjährige Edwin Fischer (am vergangenen 6. Oktober feierte er dieses Lebensjubiläum) zählt noch immer zu den wenigen Künstlern, deren Ausstrahlung weit über das Konzertpodium hinausreicht, da ihr Künstlertum im Menschlichen wurzelt. Bei ihm kommt hinzu, daß seine nachschöpferische Potenz stets engstens verbunden war mit einer nicht minder wirksamen erzieherischen Begabung. Dieser Geist wahrhaft weiser Belehrung im freundschaftlichen Gespräch kennzeichnet auch das Büchlein, das der große schweizerische Klaviermeister seinen Verehrern und Freunden gleichsam als Geburtstagsgabe vorlegte:

Edwin Fischer: „Ludwig van Beethovens Klaviersonaten. Ein Begleiter für Studierende und Liebhaber.“ Insel Verlag. 140 S. mit 8 Bildtafeln und 31 Notenbeispielen. 12,50 DM.

Es handelt sich weniger um detaillierte Analysen; als um Konstruktionsskizzen, innerhalb deren jeweils besonderen musikinhaltlichen oder interpretationstechnischen Problemen aufklärende Betrachtungen gewidmet werden. Sie sind durchweg von eminent praktischer Bedeutung. Den neuen „Vorbereitungen“ geht jedesmal eine kleine Abhandlung über ein allgemeines Thema voran: „Die Beethovensche Klaviersonate“, „Beethovens Klavierspiel“, „Über das Üben“, „Beethovens Persönlichkeit“, „Interpreten“, „Beethovens Instrumente“, „Tempo und Metronom“, „Beethovens Freundeskreis“ „Beethovens Biographien“. Das Ganze: ein Musterbeispiel dafür, wie eine solche Aufgabe angefaßt werden muß, damit Zünftler wie Laien gleichermaßen Gewinn davon haben! A-th