Die bis zum Kriegsende größte Flugzeugfabrik der Welt, die Junkers Flugzeug- und Motoren AG, Dessau, soll zu neuem Leben erweckt werden. Der Alleinbesitzer des 260 Mill. RM betragenden AK ist die in Liquidation befindliche Bank der Deutschen Luftfahrt AG i. L. (Aerobank), die zum Bundesbesitz gehört. Nach dem Kriege wurde bislang kein Versuch unternommen, den Sitz von Dessau in die Bundesrepublik zu verlegen. Es lohnte sich offensichtlich nicht, eine Gesellschaft in den Westen zu verlagern, deren Status eine erhebliche Überschuldung ergibt. Die Situation hat sich jetzt, wo wir in der Bundesrepublik mit der Luftfahrtindustrie vor einem neuen Beginn stehen, geändert. Der Begriff „Junkers“ – wachgehalten durch zahlreiche Flugzeuge des Unternehmens, die heute noch überall in der Welt zuverlässig ihren Dienst versehen – hat soviel an Wert behalten, daß eine Auseinandersetzung mit den Gläubigern der schon totgeglaubten Junkers Flugzeug- und Motoren AG Erfolg verspricht.

Es sind Interessenten für die Aktien der Gesellschaft vorhanden, die bereit und finanziell in der Lage sind, Junkers wieder aufzubauen. Voraussetzung ist jedoch ein Vergleich mit den heute noch vorhandenen Gläubigern, der von der Aerobank erreicht werden muß. Die bisher von diesem Institut geführten Verhandlungen (hauptsächlich mit den Banken, die für 29,6 Mill. DM Forderungen haben) ließen folgende Vergleichsmöglichkeit sichtbar werden: sämtliche Junkers-Gläubiger erhalten 10 v. H. des DM-Betrages ihrer Forderung in bar. Mit Rücksicht auf den Sparcharakter der Obligationen (insgesamt 10 Mill. DM) sollen die Junkers-Obligationäre darüber hinaus weitere 5 v. H. des DM-Betrages in bar bekommen, es sei denn, daß sich die Obligationen im Besitz von Personen befinden, die ausgleichsforderungsberechtigt sind (Banken und Versicherungen).

Was geschieht nun aber, falls eines Tages das umfangreiche Ostvermögen auf die Gesellschaft zurückfällt? Wäre dann nicht eine bessere Abfindung der Obligationäre möglich? Diesen berechtigten Bedenken trägt der Konsolidierungsplan Rechnung, indem wahlweise die Abfindung durch Aktien der neuen Gesellschaft, deren AK 6,5 Mill. DM betragen wird, oder in bar freigestellt ist. Die Gläubiger wären also als spätere Aktionäre Nutznießer des eventuell rückfließenden Ostvermögens. Um eine Verwässerung dieser Chancen durch spätere Kapitalerhöhungen, an denen die Kleinaktionäre sich nicht beteiligen können, zu verhindern, sollen entsprechende Vorkehrungen getroffen werden. Der vorliegende Konsolidierungsvorschlag erscheint trotz der Abwertung der Obligationen im Verhältnis 100:1,5 tatsächlich das höchste zu sein, was die Gläubiger nach Lage der Dinge heute erreichen können. Auf die Masse der Obligationäre wird es nun ankommen, ob sich die geplante Reprivatisierung von Junkers durchführen läßt.

Da sich die Schutzvereinigung für privaten Wertpapierbesitz e. V. bereits weitgehend mit dem Plan identifiziert hat, sollte zu erwarten sein, daß er sich in absehbarer Zeit tatsächlich realisieren läßt. Durch die Öffentlichkeit verdient er deshalb Unterstützung, weil er einmal die immer zu begrüßende Veräußerung von Bundesbesitz vorsieht und zum anderen, weil die private Interessentengruppe eine Flugzeugproduktion ohne den Einsatz öffentlicher Mittel aufbauen will. Bislang wurde bekannt, daß in der vor einigen Jahren von der Aerobank und den Junkers-Verwaltern mit 20 000 DM gegründeten Junkers Flugzeug – und Motorenwerke GmbH ein Stamm von alten Junkers-Technikern zusammengehalten wurde, die sich mit, Entwicklungsarbeiten befaßten. Ihre Tätigkeit lag nicht nur auf dem Gebiet der Luftfahrt. Bei Junkers befinden sich noch zahlreiche Patente, die ausgewertet werden können. Außerdem haben Verhandlungen mit alten Junkers-Technikern, die jetzt in fremden (auch ausländischen) Diensten stehen, ergeben, daß sie sich bei einer Junkers-Neugründung der Gesellschaft wieder zur Verfügung stellen würden. Da genügend Kapital vorhanden ist – und das soll heute schon sehr viel heißen –, dürfte das Ziel der noch nicht näher bezeichneten Interessentengruppe, Großtransportflugzeuge in Serienfabrikation herzustellen, durchaus durchführbar sein. u e.