In Bremen-Oslebshausen geht der Aufbau eines der modernsten deutschen Stahl- und Walzwerke mit Riesenschritten voran. Das einstige Investitionsprogramm auf und neben dem von der Klöckner-Werke AG, Duisburg, vor einigen Jahren aus Krupp-Besitz erworbenen Gelände der Norddeutschen Hütte AG von rund 200 Mill. DM ist inzwischen auf 350 Mill. DM erweitert worden. Die Stadt Bremen hat Investitionen der Größenordnung von etwa 40 Mill. DM im Zusammenhang mit der neuen Klöckner-Hütte auf dem Programm. Unmittelbar am alten Werkshafen entstehen neue Piers für größte Schwerlastschiffe des Überseeverkehrs, um den künftigen Erz-, Schrott- und Kohlebedarf der neuen Anlagen anlanden zu können.

Amerikanische Walzwerklieferungen, internationale Lizenzen und erstklassige deutsche Konstruktionen-sind in der neuen Klöckner-Hütte zu einer Großanlage vereinigt. Das erste SM-Stahlwerk wird bereits im Frühsommer 1957, die neue Breitband-Kaltwalzstraße und die Blockbrammenstraße im Sommer und die Warmbandstraße im Herbst 1957, der Hochofen für die Roheisenerzeugung im Frühjahr 1958 anlaufen. Aus der Bremer Produktion kommen dann zwei Meter breite Bleche mit den handelsüblichen Maximalwerten von 1850 bis 1890 mm Breite, also jenes Sortiment, das heute von Schiffbau und Automobilindustrie verlangt und bisher in Deutschland noch in keiner Kaltwalzanlage hergestellt werden konnte.

Die erste Baustufe sieht eine Rohstahlleistung von jährlich 360 000 bis 400 000 t vor, wodurch die Klöckner-Kapazität der Gesamtgruppe auf 2,1 Mill. t gesteigert wird. Die Verwaltung beabsichtigt nicht, Stahlkapazitäten in ihren trockenen Werken im Binnenland abzubauen, sondern sie nimmt mit Bremen echte Kapazitätserweiterungen großen Umfanges vor. Die Finanzleistung, die für die nächste Zeit auf etwa 180 Mill. DM beziffert wird, hat für Investierungen aller Art seit der Neuordnung (1. Januar 1952) bis zum Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres per 30. Juni 1956 bereits 542 Mill. DM erreicht.

Davon konnten 44 Mill. durch die Kapitalerhöhung, 136 Mill. durch langfristige Kredite und Anleihen, 283 Mill. durch Abschreibungen und weitere 174 Mill. DM durch Sonderabschreibungen bestritten werden. Diese Beträge reichten auch noch zur Aufstockung der Vorräte um über 86 Mill. DM aus.

Es sind also ganz ansehnliche Beträge, die Klöckner (auch ohne Bremen) in Modernisierung und Wiederaufbau seiner trockenen Werke hineingesteckt hat. Die Rationalisierungserfolge haben wesentlich dazu beitragen können, einen großen Teil der steigenden Rohstoffkosten und der Lohn- und Sozialaufwendungen zu verkraften. In letzter Zeit aber sei die Ertragskraftleicht rückläufig, war zu hören, zumal die jüngsten Preiserhöhungen für Kohle und Stahl nur etwa die Hälfte der Kostenerhöhungen seit 1953 decken. Um einen Teil kommender Investitionen zu finanzieren, schlägt die Verwaltung ihrer oHV am 7. Dezember neben der Genehmigung. einer Dividende von 8 (5,5 v. H. für neun Monate) auf 250 (210) Mill. DM AK aus 20 Mill. DM Reingewinn vor, genehmigtes Kapital bis zu 55 Mill. DM zu schaffen. Die Verwaltung beabsichtigt, diese neuen Aktien zu gegebener Zeit etwa 5:1 anzubieten oder in gewissem Umfange Sacheinlagen vorzunehmen.

Klöckner beurteilt die Marktlage traditionell optimistisch, vor allem auf dem Flachstahl-Gebiet. Die Bundesrepublik verarbeitete erst 44 v. H. ihrer Walzstahlfertigung zu Flachstahl, gegenüber 52 v. H. in England und 60 v. H. in den USA. Der Markt habe noch eine große Reserve und in den Auftragsbüchern für Bremen wäre über die Produktionen der ersten Monate bereits disponiert. Wenn die Bundesrepublik auf den englischen Anteil käme, also auf 52 v. H., würde des eine Flachstahl-Mehrproduktion von rund 850 000 t bedeuten, also mehr als das Doppelte der Walzkapazität, vor Klöckner-Bremen.

Die Produktionszahlen von Klöckner haben sich weiter erhöht, so daß im Berichtsjahr ein Umsatz von 1,455 (1,269) Mrd. DM (ohne Handelsumsatz) erreicht wurde. Bremen dürfte einen Umsatzzuwachs bei den heutigen Preisen in der Größenordnung von 300 bis 400 Will. DM bringen. Den bisherigen Umsatz leistete eine Belegschaft von 45 200 Mann. In Bremen wird die Belegschaft nur 1600 bis 1700 Mann ausmachen, da ein wesentlicher Teil der Anlage voll automatisiert ist. Eine vergleichbar große Anlage älteren Baudatums würde eine Belegschaft von 6000 bis 8000 Mann erfordern. Rlt.