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Der dritte und letzte Teil unseres Tatsachenberichtes über die Deportation deutscher Flugzeugkonstrukteure nach Sowjetrußland (der erste Teil erschien in Nr. 44, der zweite in Nr. 46 der ZEIT) enthüllt das Geheimnis der Entstehung des sowjetischen Überschallbombers T-150 und schildert die Heimkehr einiger Spezialisten nach Deutschland. Sie hatten ihre Schuldigkeit getan, sie konnten gehen. Andere mußten bleiben und wurden weiter nach Osten verschickt, wo die Sowjets inzwischen hinter dem Ural neue riesige Flugzeugfabriken aufbauten.

Überall in der Sowjetunion, wo deutsche Spezialistengruppen waren, wurden Theater gegründet, wurden diese zweiten Weihnachten und dieser zweite Jahreswechsel trotz durchgehender Arbeit etwas zuversichtlicher gefeiert als zwölf Monate vorher, wenn freilich auch niemand zu sagen vermochte, ob er jemals Westeuropa wiedersehen wird.

Sie hatten sich scharfe Hunde angeschafft, um sich während der langen Winternächte erfolgreich gegen die plündernden Banden zu verteidigen. Viele Väter gaben ihren Kindern abends oder zwischen den einzelnen Arbeitsschichten Unterricht in der deutschen Sprache, denn es War offensichtlich, daß die Russen Wert darauf legten, diese Kinder zu guten Sowjetbürgern zu erziehen und sie die Vergangenheit allmählich vergessen zu lassen. Andere bauten während der Wintermonate Boote, mit denen sie während des Sommers auf dem Moskauer Meer segeln wollten.

Die Höhe der Gehälter für die deutschen Spezialisten änderte sich nicht. Die 6000 Rubel monatlich für die Abteilungsleiter und die Einzelprämien zwischen 10 000 und 100 000 Rubel für besondere konstruktive oder technische Leistungen wurden, wenn auch unregelmäßiger, aber dennoch gezahlt. Die Lebensmittelkarten und die Bekleidungskarten verschwanden, und eigentlich hätte jeder, der damals in Rußland lebte, annehmen können, daß nunmehr auch für das Sowjetvolk die große Stunde der wirtschaftlichen Wende geschlagen hatte.

Nichts dergleichen geschah, denn die Preise fielen zu langsam. Kleider, Anzüge und Schuhe blieben für den einfachen Bürger nach wie vor nahezu unerschwinglich. Nur bei den Lebensmitteln machte sich ein fühlbarer Preissturz bemerkbar: Kostete im Jahre 1946 ein Kilogramm Butter noch 200 Rubel, so fiel der Preis jetzt auf 42 Rubel. Und die Preise für ein Kilogramm Brot waren nun 2 Rubel, für ein Kilogramm Schweinefleisch 28 Rubel und für ein Kilogramm Kaviar 45 Rubel.

Assimilierung der Verschleppten