Die Anspruchsvollen unter den Rundfunkhörern können dem ersten Dezember 1956 mit Vorfreude und Hoffnung entgegensehen. Von diesem Tage an wird nämlich im Norddeutschen Rundfunk endlich zur festen Einrichtung, was schon so häufig gefordert, was lange angekündigt und was im letzten und im vorletzten Jahr in zwei mehrwöchigen Experimenten während der Weihnachtszeit ausprobiert wurde: das Dritte Programm.

Die Erkenntnis, daß schwierige Sendungen nicht immerzu von den Hörern aufgenommen werden können, hat die Verantwortlichen im Hamburger Funkhaus dazu bewogen, die tägliche Sendezeit auf zwei bis zweieinhalb Stunden zu begrenzen. Rund 70 von Hundert der im Sendebereich des NDR wohnenden Hörer werden dieses über UKW ausgestrahlte Programm, das sich allabendlich um 20.15 in das Ätherkonzert einschalten wird, empfangen können.

Der Bogen der Sendungen soll weit gespannt sein; nur eine feste Regel gibt es: Was seicht ist, bleibt draußen. Viel Raum wird man den großen Fragen unserer Zeit geben: Schon im Dezember sollen acht Sendungen ein präzises und sorgfältig abgerundetes Bild zeichnen vom Leben und Leiden der Deutschen jenseits der Elbe; und im Januar wird sich eine Sendereihe mit jener wirtschaftlichen Umwälzung beschäftigen, die von den einen als Segen gepriesen und von den anderen als Fluch gebrandmarkt wird: mit der Automatisierung.

Wir werden sehen:

Donnerstag, 22. November, 20.35 Uhr: Strafvollzug und Reformbestrebungen in deutschen Gefängnissen behandelt das Film-Feature „52 000 leben so...“ von Guntram Prüfer. Regie: Fritz Umgelter.

Sonntag, 25. November, 20.30 Uhr: Curt Langenbecks Spiel „Der Gast“ nach Conrad Ferdinand Meyers Ballade „Die Füße im Feuer“ unter der Spielleitung von Konrad Wagner. Die Hauptdarsteller sind Günther Hadank, Gertraude Schönrock und Richard Münch.

Wir werden hören: