Hammarskjöld und Nasser einig: Rund 1500 Soldaten der UNEF (United Nations Emergency Force) traten in Ägypten ein. Sie wurden vorläufig bei Ismailia in der Kanalzone untergebracht. Die Verhandlungen Hammarskjölds mit Nasser über die endgültige Stationierung der UNO-Streitkräfte waren erfolgreich. Nassers politischer Berater Ali Sabri erklärte, Ägypten werde nicht um sowjetische Freiwillige bitten, wenn die Engländer und Franzosen das Land innerhalb einer Woche verlassen würden. Ein längeres Verbleiben könne „unabsehbare Folgen haben.“

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Ungarn–Streiks, Deportationen und neue Sowjettruppen: Die Versuche Moskaus und der moskautreuen Regierung Kadar, den ungarischen Aufstand mit politischen Mitteln zu beenden, scheiterten. Die Arbeiter streiken weiter, weil ihre Forderungen, Abzug der Sowjettruppen und Wiedereinsetzung Nagys als Regierungschef unerfüllt blieben. Die Regierung Kadar versucht die Streikenden auszuhungern, und die Sowjets schickten zwanzig Divisionen Infanterie zur Partisanenbekämpfung nach Ungarn. Gefangene Freiheitskämpfer werden nach westlichen Informationen laufend nach Rußland deportiert. Amerikas UNO-Delegierter Lodge sprach von „mindestens 16 000 Deportierten“ und appellierte an die Sowjetunion, Achtung für die öffentliche Meinung der Welt zu zeigen und die Deportationen einzustellen. Der sowjetische Außenminister Schepiow nannte die Berichte über Deportationen „verleumderische Erfindungen“.

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Verstimmung Moskau/Belgrad: Marschall Tito brach sein Schweigen über Ungarn und machte die „Stalinisten im Kreml und in den osteuropäischem Staaten“ für die blutigen Ereignisse in Ungarn verantwortlich. Er fügte jedoch hinzu, das zweite sowjetische Eingreifen in Ungarn sei „notwendig gewesen, weil Chaos, Bürgerkrieg und Gegenrevolution und sogar ein neuer Weltkrieg drohten“. Tito erklärte weiter daß es in der Kreml-Führung Meinungsverschiedenheiten zwischen den Stalinisten und den Anhängern Chruschtschows gäbe. Radio Budapest übertrug die Tito-Rede ohne Kommentar. Moskau reagierte mit einer scharfen Zurückweisung. Eine so ernste Verstimmung hat es zwischen den Kreml und Tito seit der Aussöhnung im vorigen Sommer nicht gegeben.

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Abrüstungsnoten und Beleidigungen aus Moskau: Bulganin schickte den westlichen Großmächten eine Note mit weitgehenden Abrüstungsvorschlägen und der Versicherung, daß Moskau im Nahen Osten keine gegen die Westmächte gerichteten Ziele verfolge. Der interessanteste Punkt der Abrüstungsvorschläge ist die sowjetische Bereitschaft, den Luftinspektionsplan Eisenhowers zu prüfen und Luftaufnahmen In einer Tiefe bis zu 800 Kilometer östlich und westlich der Trennungslinie zwischen NATO- und Warschaupaktgebiet zu gestatten. Bonn erklärte, man müsse die neuen Moskauer Vorschläge sorgfältig prüfen. Für eine neue Belastung der sowjetisch-westlichen Beziehungensorgte Chruschfschow, indem er auf einem Empfang im Kreml zu Ehren Gomulkas sagte, der Weltfrieden sei „durch die banditenähnlichen Angriffe Großbritanniens, Frankreichs und ihrer Israelischen Marionetten“ bedroht gewesen, und in Ungarn hätten „faschistische Banden“ versucht, den Sozialismus zu vernichten. Die westlichen Diplomaten verließen daraufhin den Empfang. Es gibt allerdings die These, Chruschtschow habe diesen Ausfall hauptsächlich deswegen gemacht, um seine Stellung gegenüber den „Stalinisten“ im Kreml zu stärken.