Als die deutschen Universitäten nach dem Kriege ihre Tore wieder öffneten, herrschte allenthalben die Überzeugung, man dürfe die Chance des Neubeginns nicht ungenutzt lassen. „Weg mit dem bloßen Fachstudium, dem Zweckstudium, dem Brotstudium – zurück zur echten universitas!“ so tönte der Ruf, und immer neue Verfechter eines möglichst breit angelegten Studium generale traten auf den Plan. Beherzt stemmte man sich in die Speichen, um das Rad der Wissenschaftsgeschichte zurückzudrehen.

Das Rad hat sich dennoch weitergedreht, und die Blütenträume sind nicht gereift. „Der Versuch der deutschen Hochschulen seit dem Kriege, nach Möglichkeit auch eine enzyklopädische Bildung zu vermitteln, kann als gescheitert angesehen werden.“ Daß dieser Satz mehr als nur eine resignierende Feststellung, daß er vielmehr so etwas wie ein offizieller Nekrolog ist, wird deutlich, wenn man erfährt, daß er aus dem Munde von Professor Helmut Going stammt, des Rektors der Universität Frankfurt und derzeitigen Präsidenten der westdeutschen Rektorenkonferenz. Er sprach ihn bei der Immatrikulation der neuen Studenten und fügte hinzu: „Die deutschen Universitäten der Gegenwart vermitteln keine Allgemeinbildung mehr, wenn man darunter einen fest abgegrenzten Bestand an repräsentativem Wissen versteht.“ Angesichts des erweiterten Wissensstoffes sei es nur noch möglich, aus dem Fachstudium heraus die Verwirklichung des Bildungsgedankens anzustreben, wie es das Ziel der Universitäten seit Humboldt gewesen sei.

Das Wissen wurde so groß, daß das Wissen kleiner werden, muß. Dabei bleibt für das Studium generale kein Platz mehr. Es wurde von den Disziplinen erdrückt und in Frankfurt jetzt zu Grabe getragen. Sit terra levis. h. g.