Am Schluß der Reichsmarkzeit, also 1948, besaß die Auto Union AG, Ingolstadt, neben einigen Trümmergrundstücken nur noch wertloses Papiervermögen. 1952 erfolgte dann ein scharfer Kapitalschnitt im Verhältnis 10 : 1 auf 3 Mill. DM, und seitdem hat sich das Unternehmen, das sich praktisch auf reine Verwaltungsaufgaben beschränkt und dessen Wert in erster Linie in den Beteiligungen liegt, erfreulich entwickelt. Die Geschäftspolitik der letzten Jahre zielte auf eine Substanzvermehrung, so daß auch für 1955 noch keine Dividende gezahlt wurde. Gegen 28 Stimmen eines Kleinaktionäis wurden auf der letzten HV die Maßnahmen und die Bilanzierungsweise der Verwaltung gebilligt.

Der Geschäftsbericht für 1955 gibt Auskunft über den Stand des Gesellschaftsvermögens, im wesentlichen also über die Beteiligungen, die mit 3,405 Mill. DM bei einen Gesamtanlagevermögen von 4,174 (4,193) Mill. DM zu Buci stehen. Die Auto Union Berlin GmbH, Berlin (West) hat 1955 wieder erhebliche Investitionen vorgenommen; das Geschäftsergebnis war befriedigend, so daß erstmals eine Gewinnausschüttung von 6 v. H. auf das Stammkapital vorgenommen werden konnte. In 1956 steht dem Berliner Unternehmen ein weiterer Investitionskredit zur Verfügung. Im laufenden Jahr hat die Auto Union AG auch die bisher vom Berliner Senat gehaltenen Stammanteile im Nennbetrag von 0,165 Mill. DM übernommen. Damit ist die AG Allein Inhaber der Berliner Gesellschaft.

Die Auto Union GmbH, Ingolstadt/Düsseldorf, hat für 1954 und 1955 ebenfalls 6 v. H. ausgeschüttet. Nach einigen Transaktionen ist der von der AG gehaltene Stammanteil von 1,45 Mill. DM in Zukunft in voller Höhe dividendenberechtigt. Der AR-Vorsitzende der Auto Union AG, Dr. Eduard Oehl, München, bestätigte, daß der Anteil Flicks an der Auto Union GmbH Ingolstadt/Düsseldorf nur 26 v. H. ausmacht (die Schätzungen gingen bis zu 40 v. H.). – Mit der Industrie-Auffang GmbH wurde ein Gewinn- und Verlust-Ausschließungsvertrag getätigt, wonach alle ab 1. Januar 1955 entstehenden Gewinne und Verluste von der Auto Union AG übernommen werden. In 1955 wurde übrigens ein kleiner Gewinn erzielt. Der in der Südafrikanischen Union beschlagnahmte und von dem staatlichen Treuhänder verwaltete Liquidationserlös der ehemaligen Tochtergesellschaft, der Auto Union South Africa (Pty.) Ltd, Johannesburg, in Höhe von 26 000 £ ist mit einem zinslosen Darlehen von 13 000 £ beliehen worden. Dieses Darlehen darf nur für wirtschaftliche Zwecke in der Südafrikanischen Union angelegt werden. – Von der HV wurde der von der BdL als Treuhänder der Hauptaktionärin der Auto Union AG, der Sächsischen Staatsbank, eingesetzte Staatsbankdir. a. D. Karl Springer in den AR gewählt. dt

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In der Auto Union GmbH, Ingolstadt/Düsseldorf wurden wichtige Personalveränderungen vorgenommen. Der AR ist um drei Mitglieder erweitert worden. Hinzu gewählt wurde Generaldir. Dr. Burkart als Vertreter der Eisenwerk-Gesellschaft Maximilianshütte AG. Ferner trat der bisherige Generaldir. der Auto Union, Dr. Dr. e. h. Richard Bruhn, in den AR ein. Er verläßt die Geschäftsführung aus Altersgründen. Dir. Zerbst wird ebenfalls in den Ruhestand treten. Neu in die Geschäftsführung eingetreten sind: Dr. h. c. William Werner (am 1. 7. 1956), Dr. Werner Henze (15. 11. 1956) und Oskar Siebler (1. 10. 1956). Auf der Gesellschafterversammlung der Auto Union wurde bestätigt, daß im Rahmen des auf 20 Mill. DM erhöhten Kapitals die Eisenwerk-Gesellschaft Maximilianshütte (zum Flick-Bereich gehörend) eine Schachtelbeteiligung übernommen hat.