s. n., Braunschweig

Die Dienststrafkammer des Landesverwaltungsgerichts Braunschweig erteilte dieser Tage dem Stadtoberinspektor K. aus Winsen (Luhe) einen Verweis, weil ihm in fünf verschiedenen Fällen Dienstvergehen nachgewiesen waren. Die Stadt Winsen hatte in ihrer Klage auf Entfernung aus dem Amt plädiert.

K. war 1945, als Oberleutnant der Reserve aus amerikanischer Gefangenschaft entlassen, in Winsen hängengeblieben. Dort war er am 15. August 1946 als Inspektor ins Beamtenverhältnis übernommen worden, wurde dann bald leitender Bürobeamter, stellvertretender Stadtdirektor, Leiter des Wohnungsamtes und Standesbeamter. Bei der Bevölkerung war er wenig geschätzt wegen der rücksichtslosen und unsozialen Art, mit der er seine Machtspüren ließ. Er galt jahrelang als der mächtigste Mann in der Stadt, gegen den man sich schlecht auflehnen konnte.

Anfang Juni 1954 erging die Anzeige einer Frau D., die erschreckende Aussagen über Ks. Benehmen gegenüber Frauen, auch im Amt, machte. Am 24. Juni 1954 ließ die Stadt zum erstenmal verlauten, daß K. wegen „menschlichen Versagens und charakterlicher Verfehlungen“ von seinen bisherigen Ämtern entbunden und vorerst in einer anderen Abteilung tätig sein werde.

Im Anschluß an eine außerordentliche, vertrauliche Ratssitzung am 28. Juni 1954 gaben Rat und Verwaltung der Stadt den Pressevertretern die Gründe für die Amtsenthebung Ks. bekannt. In einer offiziellen schriftlichen Verlautbarung hieß es:

„Im Zuge der Vorermittlungen wurden die gegen K. erhobenen Vorwürfe bestätigt. Herr K. hat daraufhin um Entbindung von seinen derzeitigen Ämtern gebeten, um eine anderweitige Beschäftigung anzustreben.“ Und weiter: „... sind doch die Verfehlungen so schwerwiegend, daß eine Nachsicht hier keinesfalls am Platze sein durfte.“ – „Es ist bedauerlich, daß die Vorkommnisse nicht früher zur Kenntnis der Dienstvorgesetzten kamen. Es ist aber die Zurückhaltung der betroffenen weiblichen Bediensteten auch wieder verständlich, um so mehr, als sie sich in eigener Zuständigkeit der Zudringlichkeiten erwehrt haben.“

In der Verhandlung vor der Dienststrafkammer Braunschweig gab K. vier der Anklagepunkte – zweimal Ehebruch und zweimal Zudringlichkeiten gegenüber weiblichen Bediensteten – zu. Den fünften Fall, der am schwersten wog, leugnete er. Die Zeugin, die 51jährige Frau des Hauswarts, die im Rathaus als Reinmachefrau tätig ist, schilderte anschaulich, in welcher Form sie von K. in sieben Jahren etwa zehnmal belästigt wurde. Als sie gefragt wurde, warum sie denn keine Beschwerde erhoben habe, sagte die Frau: „Ich hatte Angst, rauszufliegen. Wir sind als Heimatvertriebene froh gewesen, eine Wohnung zu haben.“ Sie blieb trotz eindringlicher und peinlicher Fragen des Vorsitzenden unter Eid bei ihren Aussagen.