Während das NATO-Hauptquartier über die Auswirkungen des Suezkonflikts besorgte Überlegungen anstellt, trifft aus Reykjavik, der Hauptstadt des kleinsten NATO-Staates, eine neue Hiobsbotschaft ein: in aller Stille haben Island und die USA ein Abkommen über den NATO-Luftstützpunkt Keflavik getroffen, ohne die NATO zu fragen oder auch nur zu informieren. Island darf nach diesem Abkommen (dem nur noch die Unterschrift Eisenhowers fehlt) den Abzug der NATO-Streitkräfte mit sechsmonatiger Frist verlangen.

An diesem neuen Schlag gegen die NATO ist nicht Nasser schuld, sondern – die Fische. Island erweiterte vor vier Jahren, um seine Fischgründe zu schützen, seine Territorialgewässer, und England antwortete hierauf mit einem Boykott des isländischen Fischimports. Seitdem ist Island ein sehr verdrossenes NATO-Mitglied. Es setzte den NATO-Truppen den Stuhl vor die Tür und schloß jetzt über das vorläufige Verbleiben dieser Truppen ein Abkommen mit Washington. – Bündnisse, das ist die Lehre aus der isländischen wie aus der ägyptischen Enttäuschung der NATO, sind nur so viel wert, wie Bündnistreue minus dem Egoismus der Bundesgenossen. -ll