1) ab Juli 1956 Neuberechnung, Zahlen für 1954 und 1955 bereinigt Zahlen in Klammern „vorläufige Zahlen

Die jährliche Zuwachsrate der industriellen Produktion, die im Juni 1956 rund 6 v. H. betragen hatte, stieg im Juli wieder auf 8,6 v. H.‚ sank jedoch auf 6,9 v. H. im August und 5,9 v. H. im September. In der Bauwirtschaft war sie, erstmals seit der Währungsreform, negativ, und zwar mit 1,8 v. H. im Durchschnitt des dritten Vierteljahres 1956 gegenüber der gleichen Vorjahreszeit.

Die – abgesehen von der Bauwirtschaft – nach wie vor positiven, wenn auch kontinuierlich abnehmenden Zuwachsraten der Industrieproduktion gegenüber dem Vorjahr sind allerdings schon seit Monaten nicht mehr das Kennzeichen eines zwar verlangsamten, aber noch immer vorhandenen Wachstums der Industrieproduktion in der letzten Zeit. Saisonbereinigt, d. K. nach Ausschaltung der – regelmäßig im Laufe eines jeden Jahres wiederkehrenden Schwankungen der Erzeugung, zeigt sich, daß die restriktiven Maßnahmen der Bank deutscher Länder weiterhin wirksam waren: Die Industrieproduktion der Bundesrepublik ist seit sechs Monaten, nämlich seit April 1956, konjunkturell nicht mehr gewachsen, sondern sie stagniert, wenn auch auf hohem Niveau. Da die industrielle Ausfuhr auch im dritten Vierteljahr unvermindert zugenommen hat, heißt dies, daß die Produkion – vor allem von Investitionsgütern – für den inländischen Markt heute niedriger ist als vor einem Jahr. Auch die von der kräftigen Steigerung des Masseneinkommens begünstigten traditionellen Konsumgüterindustrien konnten in den letzten Monaten keine wesentliche weitere Zunahme ihres Absatzes erzielen, während die Erzeugung der Nahrungs- und Genußmittelindustrien noch ansteigt.

Die Zahl der Beschäftigten ist im dritten Quartal 1956 nur noch um rd. 200 000 angestiegen; die Zahl der Arbeitslosen hat sich im gleichen Zeitraum um etwa 70 000 vermindert. Betrachtet man diese Entwicklung mit jener in der vorausgegangenen Zeit, so ist festzustellen, daß sich die Verlangsamung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar macht. – Selbst die Umsätze des Einzelhandels sind bemerkenswerterweise nicht in dem Umfang gestiegen wie aus der Entwicklung der Einkommen zu erwarten gewesen wäre. Sie haben sich nämlich im dritten Quartal 1956 gegen das dritte Quartal 1955 nominal um etwa 8 v. H. erhöht, wovon etwa 2 v. H. auf Preissteigerung entfallen.

Einfuhr und Ausfuhr sind weiter stark gestiegen, wobei die Ausfuhr die höhere Zuwachsrate hatte. Entsprechend ergaben sich weiterhin hohe Ausfuhrüberschüsse. Die Gold- und Devisenbestände lagen Ende September 1956 um rd. eine Mrd. $ höher als ein Jahr vorher.

Sowohl in den USA als auch in Großbritannien waren die Zuwachsraten der industriellen Produktion (drittes Quartal 1956 gegen drittes Quartal 1955) nur noch sehr gering. In Frankreich war dagegen die Steigerung im Juli und August erheblich. – Der Index der Trampfrachtraten lag im dritten Quartal 1956 erheblich über dem Vorjahr, obwohl die neueste Aufwärtsentwicklung in der Tabelle noch nicht zum Ausdruck kommt. Die Trampfrachtraten haben in den letzten Tagen die Höchstraten der Koreakrise erreicht und teilweise auch überschritten. Auch auf dem Zeitchartermarkt ist mit steigenden Raten zu rechnen.