Noch immer machen nach einer Untersuchung des Deutschen Industrieinstituts die westdeutschen Aktiengesellschaften, deren Publizität sich auf die gesetzlichen Mindestanforderungen beschränkt, 40 v. H. des gesamten Aktienkapitals aus, wobei die Hälfte davon sogar nur die vorgeschriebene Veröffentlichung der Bilanz im Bundesanzeiger vornimmt. Demgegenüber gibt es erfreulicherweise eine Anzahl Unternehmen in der Rechtsform der GmbH, die – obwohl nicht dazu verpflichtet – die Öffentlichkeit regelmäßig in bemerkenswerter Ausführlichkeit über ihren Geschäftsverlauf unterrichtet. Diese leider noch kleine Gruppe „publizistischer Außenseiter“ hat sich nun wieder um ein bedeutendes Unternehmen der eisenverarbeitenden Industrie, das sich zudem noch zur Hälfte in öffentlichem Besitz (Land Baden-Württemberg) befindet, vergrößert. Die Schwäbische Hüttenwerke GmbH, Wasseralfingen, legt erstmals für 1955/56 (31. 3.) einen Bericht vor, der an Ausführlichkeit kaum Wünsche offenläßt. Dies ist aber nicht das einzige hervorzuhebende Plus der Gesellschaft, die in fünf Werken mit einem breiten Produktionsprogramm über 2700 Mitarbeiter beschäftigt und zu den größten Blankstahl-Produzenten im Bundesgebiet gehört. Auch die maßvolle Geschäftspolitik verdient Beachtung. Obwohl die Hüttenwerke 1955/56 mit einer Steigerung des Fremdumsatzes um fast 26 v. H. auf 71,69 Mill. DM die Grenzen ihrer Kapazität erreicht haben und daher kaum noch mit einer weiteren Zunahme des Umsatzes rechnen können, wollen sie trotz der guten Konjunktur ihre Betriebe nicht erweitern, um die z. T. bestehende Überkapazität in ihrer Branche nicht zu verstärken. Die Gesellschaft richtet vielmehr ihr Augenmerk auf eine weitere Modernisierung und Rationalisierung der Betriebe, der auch die im Berichtsjahr erfolgten 5,10 Mill. DM Investitionen dienten. Der hierbei erreichte Erfolg zeigt sich in einerweiteren Verminderung der betrieblichen Lohnquote (einschl. Sozialkosten) im Jahr 1955 von 72,1 auf 68,7 v. H. (1949 – 100), obwohl in der gleichen Zeit die Lohn- und Gehaltskosten von 189,2 auf 233,8 v. H. (1949 – 100) gestiegen sind.

Der Export des Unternehmens nach 31 Ländern nahm in 1955/56 um 4,8 v. H. auf rund 4,6 Mill. DM zu und hat sich damit in den beiden letzten Jahren um fast44v.H. erhöht. Der Auftragsbestand, an dem der Export mit 13 v. H. beteiligt ist, lag im Wert Ende März 1956 um 49,4 v. H. über dem zu Beginn des Geschäftsjahres (rund 27 Mill. DM), da der Auftragseingang mit rund 80,6 Millionen DM um rund 11 v. H. höher als der Umsatz war. Die Ertragslage war insgesamt zufriedenstellend. Bei einem um 22 v. H. höheren Ertrag von 23,86 Mill. DM erhalten die beiden Gesellschafter (Land Baden-Württemberg und GHH, Nürnberg) aus einem Gewinn von 0,71 Mill. DM eine Dividende von 8 (7) v. H. C. B.

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Die Rheinische Olefinwerke GmbH, Wesseling, wird die Kapazität der im Herbst 1955 in Betrieb genommenen Lupolen-Anlage von jetzt 10 000 t/Jahr auf 30 000 bis 35 000 t erweitern. Das haben die Badische Anilin- & Soda-Fabrik AG, Ludwigshafen/Rhein, und die Deutsche Shell. AG, Hamburg, als Muttergesellschaften des Unternehmens beschlossen. Die geplante Kapazitätserweiterung, die einen Kapitalaufwand von 140 Mill. DM erfordert, dürfte Ende 1958 abgeschlossen sein. Die Rheinische Olefinwerke GmbH hat jetzt einen AR bestellt, der paritätisch von der BASF und der Dt. Shell besetzt ist.

Der Versicherungsbestand der Deutschen Beamten-Versicherung beträgt zur Zeit 1,1 Mrd. DM. Mit diesem Ergebnis zählt die Versicherung zu den größten Lebensversicherungsunternehmen der Bundesrepublik. In diesen Tagen wurden die Geschäftsberichte für 1953 bis 1955 vorgelegt, so daß der Anschluß an die aktuelle Berichterstattung erreicht ist. Die Prämieneinnahmen haben sich seit 1950 mehr als verdoppelt und beliefen sich in 1955 auf 39 Mill. DM. Die Kapitalanlagen überschritten jetzt die 200-Millionen-Grenze. Die günstige Entwicklung erlaubt eine Erhöhung der Gewinnanteile.

Produktionsaufnahme bei „Osram do Brasil“. Die neuerrichtete Osram-Lampenfabrik in Osasco, einem Vorort von Sao Paulo, hat die Fertigung von Glühlampen aufgenommen. Die Erzeugnisse von „Osram do Brasil“ sind ausschließlich zur Belieferung des innerbrasilianischen Marktes vorgesehen. Das Lampenwerk Osasco arbeitet unter deutscher Leitung mit einer überwiegend brasilianischen Belegschaft; Hochleistungsmaschinen modernster Bauart wurden aus Berlin geliefert. Das zur Glühlampenherstellung notwendige Leuchtgas wird in einer aus Deutschland stammenden Ölspaltanlage erzeugt.