Ph. D., Washington, im November

In Washington ist man der Ansicht, daß die amerikanische Politik in der UNO schon insofern erfolgreich war, als sie zur Stärkung dieser Weltorganisation beigetragen, die drohende Entstehung eines afrikanisch-asiatisch-sowjetischen Blocks verhindert und ein Gegengewicht gegen die sowjetische Aktivität im Mittleren Osten geschaffen hat.

Dabei übersieht man nicht, daß die Bedingungen, die Hammarskjöld mit Nasser aushandelte, die Handlungsfreiheit der UNO-Polizeitruppen einschränken. Man betont aber andererseits das Vertrauen in den UN-Generalsekretär und die Bereitwilligkeit, ihn nach eigenem Ermessen handeln zu lassen. Wenn er etwas mehr dem ägyptischen Standpunkt zuzuneigen scheint, so hat man dafür Verständnis, weil man auch in Washington die Ägypter als „Opfer einer Aggression“ ansieht.

Die Haltung Hammarskjölds, so sagt man hier, hat sich bereits gut für das Prestige der UNO ausgewirkt. Das gleiche gilt für Amerikas Verzicht auf einseitige Aktionen und seine Bereitschaft, sich den Mehrheitsentscheidungen der UNO zu unterwerfen. Diese Haltung hat nach amerikanischer Ansicht einiges zur Wandlung der asiatischen Einstellung den ungarischen Ereignissen gegenüber und zu den eindrucksvollen antikommunistischen Abstimmungsergebnissen in der Vollversammlung beigetragen. Tatsächlich haben sich die Prophezeiungen, die Stimmen der afrikanisch-asiatischen und der sowjetischen Länder würden eine Zweidrittel-Mehrheit in der UNO unmöglich machen, als falsch erwiesen. Die Amerikaner glauben auch, daß ihr Verhalten den kleinen Nationen das Gefühl genommen hat, von den großen Machtblöcken einfach erdrückt zu werden, und sie sind der Ansicht, daß dadurch die Bildung eines solchen Blocks der afrikanischen, asiatischen und sowjetischen Staaten vereitelt wurde.

Das amerikanische Vertrauen zu Großbritannien und Frankreich hat einen solchen Tiefstand erreicht, daß man einen Angriff dieser Länder auf Syrien und Jordanien nicht mehr für ganz ausgeschlossen hält. Man hat daher westliche Diplomaten, die in der vergangenen Woche scharenweise durch das State Department zogen, wissen lassen, daß die Vereinigten Staaten nicht bei der Überbrückung der europäischen Ölkrise helfen würden, ehe mit, dem Rückzug aller fremden Truppen aus Ägypten Ernst gemacht wird.

Dieser Rückzug erscheint in Washington wichtiger als alles andere. Denn seine Verzögerung müßte den Haß der Araber vertiefen, die Treibstoffkrise verschärfen, die sowjetischen Infiltrationsabsichten fördern und die UNO gerade in dem Zeitpunkt schwächen, in dem sie sich anschickt, ein tatsächlich wirksames Instrument zu werden.