Die Unwissenheit in naturkundlichen Dingen wird immer größer, obwohl das Interesse für Tiere selten so ausgeprägt war wie heute. Man glaubt, durch Reiseberichte und Filme die „wilden Tiere“ zu kennen, aber kaum jemand hat noch einen Rotfuchs in Freiheit beobachtet oder kann eine Amsel von einer Drossel unterscheiden. Trotz dieser Naturferne gibt es eine Menge Leute, die an einer Robbe mehr Anteil nehmen, als an einem Unterseeboot, und eine Schwalbe lieber sehen, als einen Düsenjäger. Für sie wurde dieses Buch geschrieben:

Bernhard Grzimek: „20 Tiere und ein Mensch.“ Kindler Verlag, München; 180 S., 9,80 DM.

Der Verfasser – Zoodirektor, Forschungsreisender, Tierpsychologe, Filmmann und Autor zahlreicher Tierbücher – versteht seine Handwerke. Er berichtet unterhaltsam und niemals langweilig von den erstaunlichsten Tatsachen aus der Tierwelt, die er fast alle selbst beobachtet hat und mit anschaulichen Photos illustriert und beweist. Gerade dieses eigene Erleben macht das Buch so lesenswert. Man spürt, daß Grzimek ein ernsthafter und einst zu nehmender Forscher geblieben ist, trotz des Rummels, den man um seine Person machte. Und ernsthafte Forscher, die verständlich und populär schreiben können, sind selten in Deutschland.

Es fällt schwer, eine auch nur auszugsweise Inhaltsangabe zu machen, die Seiten quillen von facts über, wie: Vor hundert Jahren gab es in Amerika wilde Kamelherden. Der Dachs ist so sauber, daß er sich Klosetts baut. Robben bekommen relativ häufig einen Sonnenbrand. Das Wildschwein ist das intelligenteste Tier des deutschen Waldes. – Man könnte seitenlang so fortfahren.

Eines jedoch bleibt dem Leser verborgen: aus welchen Überlegungen dieser irreführende und untertreibende Titel gewählt wurde. Das Buch umfaßt mehr als zwanzig Kapitel und enthält die Beschreibungen von sehr viel mehr als nur zwanzig Tieren. u. k.