DIE ZEIT

Erst Ruhe - dann Öl!

In Washington ist man der Ansicht, daß die amerikanische Politik in der UNO schon insofern erfolgreich war, als sie zur Stärkung dieser Weltorganisation beigetragen, die drohende Entstehung eines afrikanisch-asiatisch-sowjetischen Blocks verhindert und ein Gegengewicht gegen die sowjetische Aktivität im Mittleren Osten geschaffen hat.

Die Fische sind schuld

Während das NATO-Hauptquartier über die Auswirkungen des Suezkonflikts besorgte Überlegungen anstellt, trifft aus Reykjavik, der Hauptstadt des kleinsten NATO-Staates, eine neue Hiobsbotschaft ein: in aller Stille haben Island und die USA ein Abkommen über den NATO-Luftstützpunkt Keflavik getroffen, ohne die NATO zu fragen oder auch nur zu informieren.

Polen und Ungarn

Weit verbreitet ist nun die Ansicht, die Polen hätten es viel gescheiter gemacht als die Ungarn. Stimmt das? Auf den ersten Blick ist man geneigt, es zuzugeben, weil man nach dem Ergebnis urteilt.

Helft den Ungarn!

Folgende Antwort gab das Hamburger Rote Kreuz auf unseren telephonischen Anruf: „Die Gebefreudigkeit der Bevölkerung übersteigt unsere kühnsten Erwartungen.

In seltener Eintracht

Selten nur vollzieht sich ein Ministerwechsel in solcher Harmonie, wie vor einigen Tagen die Ablösung im Bundespostministerium.

Baustopp für Bonn

Die uralte Geschichte vom Samariter, der dem, der unter die Mörder fiel, beistand, kann zwei verschiedenartige Kommentare herausfordern: die Freude darüber, daß es noch Samariter gibt, und die mit Abscheu getroffene Feststellung, daß Mörder unter uns leben.

Selbstmord

In Ägypten werden alle französischen Schulen verstaatlicht. Es gab deren etwa 130 mit über 60 000 Schülern, die dort bis zum Eintritt in die Universität vorbereitet wurden.

Ehrbare Heuchelei

Die Anteilnahme am ungarischen Freiheitskampf und die Bereitschaft zu praktischer Hilfe sind in England nicht kleiner als in irgendeinem der unmittelbarer von der Sowjetdrohung berührten kontinentaleuropäischen Länder.

ZEITSPIEGEL

Fünf Tage nach der von Picasso zusammen mit neun anderen kommunistischen Intellektuellen geforderten Einberufung einer außerplanmäßigen Tagung des Zentralkomitees der KP, auf der die „nun zahlreichen den Kommunismus betreffenden Probleme in ihrer vollen Wahrheit“ erörtert werden sollten, veröffentlichte das Zentralkomitee, eine Entgegnung, in der es heißt, die Partei sei kein Debattierklub, sondern eine Organisation, die die Arbeiter an die Macht führen solle Gerade die Befürworter dieser Resolution sollten wissen, daß im Falle Ungarns Gewissensfragen keine Rolle spielten, sondern einzig, das Wohl der Arbeiterklasse ausschlaggebend sei.

Der Hauptmann von Suez

Was ist ein Tory?" wurde ein Düsseldorfer Primaner in einer Quiz-Sendung des Westdeutschen Rundfunks am Freitag gefragt. Er wußte es nicht.

Die 50-Meilengrenze

Seit ein paar Tagen ist das Suezproblem für die ^Engländer nicht mehr nur eine Angelegenheit der Außenpolitik, der Zeitungsdiskussion und der Parlamentsdebatten, es ist zu einer Privatangelegenheit geworden, die plötzlich in den Alltag von Hunderttausenden britischer Bürger einbricht.

Parlament im Hauptstadt-Klima

Nicht einer der fünf Festredner zur Zehnjihresfeier des Berliner Abgeordnetenhauses war, der Herkunft odef dem Sprachklang nach, Berliner.

Kaiser von Byzanz

Wir haben dieser Tage hier in Rom eine – Kaiserkrönung erlebt. Man möchte sie ohne weiteres ins Reich der Operette verweisen, wäre ihr Schauplatz nicht eine Kirche: die Methodistenkirche an der Via XX-.

Bus voll Menschenbeute

Imre Nagy ist von allen Ungarn zweifellos der den Sowjets unbequemste Mann. Übte er doch, obwohl entmachtet und hilflos im Asyl der jugoslawischen Botschaft zu Budapest, allein durch seine Existenz noch eine politische Wirkung aus! Also mußte er, der halb Verschwundene, ganz verschwinden .

Neuer Typ des Sportlers

Die Abenddämmerung brach schon herein, als der amerikanische Neger Charles Everett Dumas die Latte, die auf 2,12 m stand, überflog und mit diesem Hochsprungrekord eine Goldmedaille gewann.

Kalter Wind aus Moskau

Seit Titos aufsehenerregender Rede in Pola über den verderblichen Einfluß der „Stalinisten“ im Kreml, versuchen die Rußlandsachverständigen der ganzen Welt, in dem angeblichen „Machtkampf zwischen den Stalinisten und Antistalinisten“ auf den Sieger zu tippen.

Malenkow schützte Nagy

Die „polnische Lösung“, also der Übergang von der stalinistischen zu einer milderen nationalkommunistischen Diktatur, hätte dem ungarischen Volke zweifellos unermeßliches Leid erspart.

Prozeß der Fragezeichen

Zwei Wochen sind jetzt vergangen, seit Kriminalbeamte zum erstenmal den Dr. Otto John aus dem Karlsruher Gefängnis Riefstahlstraße in den Bundesgerichtshof brachten.

Was tat Radio Free Europe?

Im Jahre 1949 entstand in USA die Bewegung „Kreuzzug für die Freiheit“, der heute rund 26 Millionen Amerikaner angehören; es ist eine finanziell gut fundierte Organisation, die dem Weltkommunismus entgegenwirken will und die eine direkte Folge der politischen Ereignisse 1947/49 war: dem Erwachen aus den Kriegsträumereien mit den Sowjetverbündeten.

Nehru blickt nach Ungarn

Die Haltung, die Nehru zum sowjetischen Gewaltstreich in Ungarn einnahm, wird in der westlichen Welt nicht eindeutig beurteilt; ja der indische Ministerpräsident, der vor nicht allzulanger Zei: als der große mahnende Freund des Friedens und der Freiheit überall gefeiert wurde, wo er in Europa weilte, blieb nicht von dem Vorwurf verschont, daß er die Engländer und Franzosen wegen Suez hart verurteile, die Sowjets wegen Ungarn jedoch so milde tadle, als sähe er sich genötigt, auf die Machthaber im Kreml Rücksicht zu nehmen.

Das Schicksal der kleinen Parteien

Der Lebensraum der kleinen Parteien schrumpft in der Bundesrepublik sichtlich zusammen. Konnten sie sich noch im ersten Bundestag in 30 Prozent der Mandate teilen, die ihnen die beiden großen Parteien übriggelassen hatten, so sind es im zweiten Bundestag nur noch knapp 20 Prozent.

Am Ende der Bildung?

Als die deutschen Universitäten nach dem Kriege ihre Tore wieder öffneten, herrschte allenthalben die Überzeugung, man dürfe die Chance des Neubeginns nicht ungenutzt lassen.

Ich mache Striche ...

Vernissage Hartung in der Galerie de France. Gedränge mondäner Besucher, Kunstkritiker, Maler. Stimmengewirr („... unter uns gesagt, nichts als Gekritzel!“ – „Wissen Sie nicht? Hartung notiert schon höher als Buffet.

O’Neills „Reise in die Nacht“

Die Sensation für Amerika ist, daß diese Aufführung überhaupt stattfand. O’Neill hatte in seinen nachgelassenen Notizen sie – für Amerika – erst für ein halbes Jahrhundert später festgesetzt.

Unruhe und Idylle

Rang und Bedeutung eines Museums richten sich nicht ausschließlich nach dem zahlenmäßigen Bestand an Meisterwerken. Das ist genauso binsenwahr wie der Satz, daß einheimelnde Atmosphäre und Wohlgestimmtheit der Räume künstlerische Qualität nicht ersetzen können.

Ein sehr amerikanischer Amerikaner

Vor einigen Tagen verlieh die Hamburger Universität, wie bereits in Nr. 47 der ZEIT ausführlich gemeldet, einem dreiundsechzigjährigen Amerikaner die Ehrendoktorwürde.

Am anderen Morgen

„Ich weiß nicht“, sagte Bastian unentschlossen. Jetzt, am frühen Morgen, sah alles ganz anders aus als gestern abend. Der Morgen ist kühler und nüchterner als die Dämmerung, und er macht einem leicht Angst.

Der Clochard

Ich rief bei Mischa an. Seine Frau war am Telephon. „Gib mal Mischa“, sagte ich, „es ist dringend.“ „Dringend?“ wiederholte die Gute verträumt, „ist eine Vokabel, die wir uns völlig abgewöhnt haben.

Fledermäuse des Pharao

Die vielen phantasievollen Legenden um die „Rache der Pharaonen“,deren Opfer nach einem alten Fluch-eingemeißelt am Pyramideneingang – jeder werden sollte, der in diePyramide desTutanchamon eindringe und nach deren Öffnung tatsächlich 23 der beteiligten 25 Forscher in kurzer Zeit an einer rätselhaften Krankheit starben, haben jetzt, 23 Jahre später, einer wissenschaftlich-nüchternen Erklärung weichen müssen.

Notizen

Ein Beispiel für alle. Statt eine Jubiläumsschrift herauszugeben, wie dies in großen Gesellschaften und Firmen bei Jährung des Gründungsjahres üblich ist, hat die Allgemeine Lokalbahn- und Kraftwerke-Aktiengesellschaft in Frankfurt aus Anlaß ihres 75jährigen Bestehens dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft den gleichen hohen Betrag überwiesen, der für eine Festschrift hätte ausgegeben werden müssen.

Niedersachsen: Der Bock zum Inspektor gemacht

Die Dienststrafkammer des Landesverwaltungsgerichts Braunschweig erteilte dieser Tage dem Stadtoberinspektor K. aus Winsen (Luhe) einen Verweis, weil ihm in fünf verschiedenen Fällen Dienstvergehen nachgewiesen waren.

Rheinland-Pfalz: Der Kaiser-Schuß

„Ich habe den Wilhelm abgeschossen“, sagte kürzlich ein amerikanischer Tourist, als er am Deutschen Eck in Koblenz stand. Das vertraute er den Manne an, der neben ihm stand – einem amerikanischen Staatsbürger, der aus Koblenz stammt.

Nordrhein-Westfalen: Schneebekämpfung

So steht es jedenfalls, vom Gemeindedirektor unterzeichnet, am Schwarzen Brett des Bürgermeisteramtes: „Wie die Witterungsverhältnisse im vergangenen Winter gezeigt haben, ist auch am unteren Niederrhein mit großen Schneefällen zu rechnen, so daß die erforderlichen Schutzmaßnahmen zur Vermeidung von Schneefällen getroffen werden müssen.

Bay ern: Klebrige Geschäfte

Mit Gottes Segen wollen wir beginnen“, beendete im Frühjahr 1956 der neugewählte erste Vorsitzende und Geschäftsführer der „Honigverwertungsgenossenschaft“ München, Friedrich Eichinger, seine Antrittsrede.

Illegale Filme

Wer heutzutage bei uns auf den Gedanken kommt, es sei nützlich und wichtig, einmal zu zeigen, wie die Menschen jenseits der Elbe leben und wie die Propaganda aussieht, die pausenlos auf sie herniederflutet – der kann in arge Schwierigkeiten geraten.

Zigarren Marke „Atom” – die Bauern sind dagegen

Wenn man uns den Atommeiler vor die Nase setzt, können wir für nichts garantieren. Wir haben unser Dorf schon einmal mit Knüppeln und Dreschflegeln verteidigt!“ Mit dieser massiven Drohung schickten die Einwohner des kleinen nordbadischen Dorfes Friedrichstal ihren Bürgermeister Max Borell zu seiner vorgesetzten Dienststelle, dem Landratsamt in Karlsruhe, als Ute hörten, daß der erste deutsche Atommeiler in unmittelbarer Nähe ihres Dorfes gebaut werden soll.

Sachsen: Widerstand auf Irrwegen

Radeberg, ein kleines Industriestädtchen in der Nähe von Dresden, liegt grau und schlotereich in schöner Landschaft. Begrenzt von der Dresdener Heide, umgeben von Wiesen, Feldern und Hügeln, ist es der Heimatort eines wichtigen Großbetriebes, des volkseigenen Sachsenwerkes, in dem Meßgeräte, Drehstrommotoren, Spezialmeßeinrichtungen, Rundfunk- und Fernsehempfänger und anderes elektrotechnisches Gerät hergestellt werden.

Diskrete Agitation

Sie gehören zum Straßenbild der Städte Mitteldeutschlands, die schlanken Lautsprechersäulen auf hohem Fuß, Pappeln ähnelnd, doch nicht nur leise rauschend.

Baden-Württemberg: Löwe, Tiger, Puma zu verkaufen

Die große, reiche Industrie- und Kulturstadt Mannheim hat keinen Zoo mehr. Juristisch gesehen besaß sie zwar nie einen, aber alle Mannheimer Tierliebhaber nannten den kleinen Privatzoo von Paul Bolich, draußen am Rande der Stadt, im Käfertaler Wald, „unseren Zoo“.

Die Seeschlacht

In London lief kürzlich ein Film an, der patriotisch, aber außerdem und wirklich nur ausnahmsweise ein guter Film ist: The Battle of the River Plate (Die Seeschlacht vom Rio de la Plata) von dem Drehbuchautoren- und Regisseurpaar Michael Powell und Emmerich Pressburger (Die roten Schuhe).

Neu und sehenswert

La Strada (Italien). Federico Fellinis 1954 auf. der Biennale in Venedig verkannter Film von der Einsamkeit des Menschen, mit Giulietta Masina als rührendes schwachsinniges Mädchen Gelsomina und Anthony Quinn als primitiver Muskelmensch Zampano, hat einen Siegeszug durch die Kinos der Bundesrepublik angetreten.

USA-Mammut-Filme

Diese Ten Commandments („Zehn Gebote“) sind eine farbige Breitwand-Neuauflage des alten „stummen“ Kolossalfilms. Die Paramount-Firma hat 14 Millionen Dollar und drei Jahre Dreharbeit in dieses, zumindest optisch phantastische Unternehmen gesteckt, das mit vier Stunden Spieldauer einen Rekord darstellt.

Was dem einen recht ist...

Die Staatsdiener aller Kategorien – Beamte, Angestellte und Arbeiter im Dienste des Bundes, der Länder und der Gemeinden – werden im Dezember außer den üblichen Weihnachtszulagen ein halbes Monatsgehalt zusätzlich erhalten.

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