Es ist bei dem überraschend schnellen Aufschwung unserer Wirtschaft nach der Geldumstellung oftmals nur zu leicht übersehen worden, wie schwierig und langwierig der Gesundungsprozeß selbst sehr bedeutender Unternehmen war, die nach Kriegsende nicht nur wieder vollkommen neu anfangen, sondern auch ihre Produktion umstellen mußten. Ein Beispiel hierfür ist die Industrie-Werke Karlsruhe AG (früher Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken AG, Berlin), die 1945 praktisch aufgehört hatte, zu bestehen. Erst in dem Jetzt vorliegenden Jahresabschluß für 1955 war es dieser zur Quandt-Gruppe gehörenden Gesellschaft möglich, die hohen Anlaufverluste der Vorjahre gänzlich zu tilgen und darüber hinaus noch einen Gewinn zu erzielen. Hierbei hat jedoch noch wesentlich der Erlös aus dem Verkauf der 25prozentigen Beteiligung an der Busch-Jaeger Dürener Metallwerke AG eine Rolle gespielt, so daß von einer Dividendenausschüttung noch nicht die Rede sein konnte.

Das Unternehmen hat nunmehr auch die Umstellung auf die zivile Produktion nach nochmaligen Investitionen von 4,33 (4,99) Mill. DM und nach Abrundung des Fertigungsprogramms im wesentlichen abgeschlossen. Die Kapazität der Gesellschaft war trotz einer Steigerung des Umsatzes um 21 v. H. bei einem auf 45 (41) v. H. erhöhten Exportanteil nicht voll ausgenutzt. Die zum Teil auch bei den Zweigwerken und Beteiligungsgesellschaften sehr beträchtlichen Umsatzerhöhungen machten eine Verstärkung der Belegschaft des Gesamtunternehmens auf rd. 8000 Beschäftigte notwendig. Die Ertragslage war noch durch hohe Anforderungen für den Wiederaufbau und durch Erhöhungen der Lohn- und Materialkosten beeinträchtigt. Durch den Gewinn von 1,62 (1,11) Mill. DM wird der Verlustvortrag getilgt; darüber hinaus verbleiben noch 0,21 Mill. DM Gewinn zum Vortrag. C. B.

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Die Feinstrumpfwirkerei und Zwirnerei Richard Wieschebrink, Wedel/Holstein, kann in ihrer stetigen Aufwärtsentwicklung wieder einen besonderen Erfolg aufweisen: das durch die Herstellung der „bel-ami“-Strümpfe bekannte Werk stellte jetzt seinen 1000. Mitarbeiter ein.

Die Fichtel & Sachs AG, Schweinfurt, die bereits 1954 ihren Umsatz um fast 40 v. H. gegenüber 1953 erhöhen konnte, hatte im Geschäftsjahr 1955 im Wert nochmals eine Umsatzsteigerung um 32 v. H. über 1954 hinaus zu verzeichnen. Es ist der höchste bisher in einem Jahr erzielte Umsatz. Die Produktion stieg bei fast allen Erzeugnissen an, am stärksten bei den Moped-Motoren, sodann bei Fahrrad-Motoren, Kupplungen und Stoßdämpfern. Für Fahrradnaben war die Tendenz weiter rückläufig. Das Auslandsgeschäft wurde weiter ausgebaut; es lag um 25 v. H. über dem Vorjahr. Der Ausbau der Fabrikationsanlagen wurde weitergeführt. Für 1955 ist ein Jahresgewinn von 2,18 (1954: 1,74) Millionen DM ausgewiesen, der sich um den Vortrag auf 4,46 Mill. DM erhöht. Laut HV-Beschluß wird hieraus – wie seit 1950 – wieder 4 v. H. Dividende auf das in Familienbesitz befindliche AK von 15 Mill. DM verteilt. Im ersten Halbjahr 1956 sind die Umsätze gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres erneut gestiegen. Seit Mitte des Jahres verschärfte sich jedoch die rückläufige Tendenz in der Zweirad-Industrie, so daß Fabrikationseinschränkungen unvermeidlich wurden. Die Verwaltung rechnet jedoch auch für 1956 wieder mit einem befriedigendem Ergebnis.

Das Velox-Werk Herbert Schnelle, das nach dem Verlust seines Werkes in Danzig 1946 in Barmstedt/Holstein errichtet wurde, hat sich jetzt bereits um ein Zweigwerk in Kellinghusen erweitert. Die Produktion des Unternehmens umfaßt Hängeregistraturen, Büro-Organisationsmittel, Einrichtungen für Sichtkarteien, Büro-Organisationsmöbel und Durchschreibebuchhaltungen. Der vom Velox-Werk stark beeinflußte Fortschritt auf dem Gebiet der Bürorationalisierung hat zu einer starken Ausweitung des Exports geführt.