HvH., Rom, Ende November

Wir haben dieser Tage hier in Rom eine – Kaiserkrönung erlebt. Man möchte sie ohne weiteres ins Reich der Operette verweisen, wäre ihr Schauplatz nicht eine Kirche: die Methodistenkirche an der Via XX-. Settembre. Und hätte nicht ein methodistischer Prediger sie vollzogen. In einer Gesellschaft befrackter Gäste, an der Seite seiner hermelingeschmückten Mama, in langem weißseidenem Mantel, Szepter und Reichsapfel in den Händen, saß der junge Signore Marziano Lascaris Lavarello auf dem Familienthron vor dem Altar und ließ sich die Kaiserkrone von – Byzanz auf die Brillantinelocken drücken.

Was wird Totò, Italiens berühmter Filmkomiker, dazu sagen? Denn auch er, ein gebürtiger Principe de Curtis, hält sich für den Prätendenten auf den längst nicht mehr existierenden Thron von Byzanz, und ihm hat das Gericht, auf Grund einer Fülle vergilbter Dokumente, diesen Anspruch zugebilligt – während es Signor Marziano abwies.

Nun haben wir also zwei Kaiser von Byzanz – ach, ohne Land! –: einen gerichtlich bestätigten, und einen „nach göttlichem Recht“ gekrönten!