W. L., München

Mit Gottes Segen wollen wir beginnen“, beendete im Frühjahr 1956 der neugewählte erste Vorsitzende und Geschäftsführer der „Honigverwertungsgenossenschaft“ München, Friedrich Eichinger, seine Antrittsrede. Die neuen Vorstandsmitglieder standen vor keiner leichten Aufgabe, denn das erste Vierteljahr 1956 war mit einem Verlust von 8700 DM abgeschlossen worden. Die Honigernten waren in den letzten drei Jahren stark rückläufig. Trotzdem erfolgte jedoch bereits zwei Monate später eine Bekanntmachung, die allen bayrischen Imkern freundliche Zukunftsaussichten eröffnete.

„... der neuen Vorstandsschaft (Eichinger, Engelmann, Grellner) ist es gelungen, das Honiggeschäft zu verdoppeln ... Kunden im Bundesgebiet zurückzugewinnen ... so daß die Verluste ausgeglichen und sogar schon ein Überschuß besteht ...“

Damit begann ein Skandal, der den Namen des „Deutschen Qualitätshonigs“ in Verruf brachte. Während der Staatsanwalt Dr. W. heute in Traunstein dem Direktor a. D. Eichinger Betrug vorwirft, weil er einer Weinsendung 1600 Liter Wasser zugesetzt hatte, beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft München mit dem ersten Vorsitzenden Eichinger wegen Honigpantscherei.

Als Vorsitzender der Honigverwertungsstelle bezog Eichinger wie immer die gesetzlich geschützten Behälter mit der Garantiebanderole vom „Deutschen Imker-Bund“ aus Nürnberg. In München am Oberen Anger wurden diese Gläser mit „garantiert reinem deutschen Bienenhonig“ aufgefüllt und in den Einzelhandelsgeschäften für 4 DM pro Glas verkauft.

Der Präsident des Deutschen Imkerbundes (DIB) Birklein, zugleich als Vorsitzender des bayrischen Landesverbandes sein „eigener Vorgesetzter“, merkte nicht, daß ein in Anbetracht der schlechten deutschen Honigernte erstaunlicher Bedarf an Gläsern und Garantiebanderolen bei der von ihm lizensierten „Honigverwertungsgenossenschaft München“ bestand. Auch der Geschäftsführer des DIB merkte nichts. Er konnte deshalb dem Präsidenten, der sein> Schwiegervater ist, auch keine Mitteilung machen. Nachdem auch noch die Geschäftsfühererin des bayrischen Landesverbandes, Frau Gertrud K., ihrem Landesvorsitzenden Birklein, der zugleich auch ihr Vater ist, nichts meldete, wird es der Staatsanwaltschaft schwerfallen, Betrug bis in die höchsten Stellen nachzuweisen, zumal der Wirtschaftsberater des Verbandes wiederum Friedrich Eichinger ist.

Ein Kunde, der ein Glas „garantiert reiner deutscher Bienenhonig“ für 4 DM in seinem Milchladen gekauft hatte, brachte den Stein ins Rollen. Der Honig wurde nämlich an die Staatliche Landesanstalt für Bienenzucht, Erlangen, zur Untersuchung geschickt, und als man darin Blütenstaub von Baumwollpflanzen festgestellt hatte, wandte sich der betrogene Käufer an die Stadt München. Noch am gleichen Tag ließ dort Oberinspektor Daßberger bei den einschlägigen Geschäften Proben des „garantierten“ Honigs entnehmen. Wiederum wurde aus Erlangen bestätigt, daß Baumwollpflanzenteilchen in dem „deutschen“ Honig enthalten seien.