Verständlich gemachte Wissenschaft birgt immer die Gefahr in sich, daß sie über die Darstellung einiger interessanter facts nicht hinauskommt. Gerade dadurch werden so viele populärwissenschaftliche Bücher unwissenschaftlich und im Grunde wertlos. Sie vermitteln ein unrichtiges, oberflächliches Bild von den Objekten der Forschung. Wissenschaft wird in ihnen leicht etwas allseitig Rundes, immer Erklärbares, etwas also, was man gewissermaßen als amüsante Freizeitgestaltung betreiben kann. Der Leser solcher Bücher wird nie echte Information oder gar Anregung zum Weiterdenken in ihnen finden. Anders hält es der jetzt erschienene kleine Band von:

Friedrich Brock: „Bau und Leistungen unserer Sinnesorgane – Band I, Haut-, Tiefen- und Labyrinthorgane.“ Dalp-Taschenbuchreihe des Leo Lehmann-Verlages, München; 2,80 DM.

Professor Brock, der Schüler und Nachfolger Baron v. Uexkülls als Leiter des Hamburger Institutes für Umwelt forschung, hat hier ein populärwissenschaftliches Buch geschaffen, das diesen Nauen zu Recht trägt, da es allgemeinverständlich von Fragen der Wissenschaft erzählt. Umweltforschung will die Wechselbeziehungen zwischen dem Subjekt und seinem „Da-Draußen“ erkennen. An der Grenze zwischen dem Subjekt und seiner Umwelt steht die Haut, die in Verbindung mit den anderen Sinnesorganen das „Da-Draußen“ vermittelt. Wie das geschieht, welche Bedeutung das richtige Funktionieren des Sinnesorganes Haut und welche Funktion das Ohrlabyrinth für die geordneten Beziehungen des Menschen zu seiner Umwelt hat, das wird hier in meisterlicher Form dargestellt. Didaktisch hervorragend aufgebaut, sprachlich ’ebhaft und anschaulich, ehrlich in der Sache auch Ja, wo es Nichtwissen zu bekennen gilt, fesselt dieses Buch jeden, der sich für mehr interessiert, als die Sensation zu bieten vermag. Allerdings ist es keine ganz leichte Lektüre, die man etwa beim Kaffeeschlürfen „mitverdauen“ kann. Wer sich aber die Mühe des Mitdenkens machen will, wird sich schon auf die weiteren Bändchen Friedrich Brocks zu diesem Thema freuen. d. z.