Regensburg nimmt als westliche Kopfstation der internationalen Donauschiffahrt eine dominierende Stellung ein. Der Umschlag hat sich zwischen 1951 und 1955 von 1,75 Mill. t auf 2,62 Mill t erweitert. Linz buchte im vergangenen Jahr 2 Mill. t, während Wien nur 0,75 Mill. t erreichte. Der jugoslawischen Donauschiffahrt war es zu danken, daß die Regensburger Vorkriegsziffern (1938: 1,3 Mill. t) relativ bald überschritten wurden. Als nächste Flagge fand sich die ungarische ein, und dann folgten Schiffahrtsverträge mit Rumänien, Bulgarien und der Tschechoslowakei, die sich vorerst nur unwesentlich auswirken. Immerhin werden – bei stetig steigender Tendenz – monatlich bereits mehr als 300 000 t verladen. Vereinbarungen mit der Sowjetunion stehen noch aus. Die Ankunft eines sowjetischen Schleppzugs und ein deutscher „Gegenbesuch“ sind lediglich als Präliminarien einer gewissen Annäherung zu deuten.

Wenn sich der Handel zwischen Ost und West weiterhin belebt, dürften die Oststaaten bei ihrer Exportfreudigkeit in zunehmendem Maß auf die Nordseehäfen angewiesen sein. Angesichts der Vergrößerung ihrer Schiffsparks werden diese Vermutungen noch bestärkt. Übrigens zeigten diese Länder schon wiederholt Lust, für den Güterverkehr zwischen dem Schwarzen Meer und der Nord- und Ostsee einen Teil der westlichen Donau zu „ihrer“ Transportstraße zu machen. Eine Voraussetzung dafür ist jedoch, daß Regensburg den erhöhten Anfordeungen gewachsen ist, mit anderen Worten: daß der Regensburger Hafen ausgebaut wird. Bei Gesamtkosten in Höhe von 10 Mill. DM würde der Bau, der vor Ausbruch des Krieges schon einmal beschlossen war, etwa acht Jahre dauern. Güterstauungen, die den Transport verteuern, muß auch deshalb vorgebeugt werden, weil sonst Fiume und vor allem das ehrgeizige Triest die sich an der Adria bietenden Chancen wahrnehmen.

Der Regensburger Hafen verdient auch insofern eine wachsende Aufmerksamkeit, als sich der Umschlag von industriellem Heizöl (aus Österreich, Ungarn und Jugoslawien) in den letzten beiden Jahren aus minimalen Anfängen zu 300 000 t im Monat entfaltet hat. Man denkt ernsthaft an die Errichtung einer Großraffinerie, weil nicht nur im Wiener Becken, sondern auch in Oberösterreich starke Ölvorkommen festgestellt worden sind. Das Öl wird von bayerischen Firmen bezogen.

Daß die Vollendung des Rhein-Main-Donau-Schiffahrtsweges dereinst Wandlungen mit sich bringen wird, steht außer Zweifel. Aber sie liegt noch in weiter Ferne. In jeder Hinsicht wäre es daher empfehlenswert, im Sinne einer Zwischenlösung einstweilen dem Bau eines Regensburger Winterhafens näherzutreten, der nur 3 bis 5 Mill. DM kosten würde und unter Umständen in einen Handelshafen umgewandelt werden kann. W. K.