Im Jahre 1949 entstand in USA die Bewegung „Kreuzzug für die Freiheit“, der heute rund 26 Millionen Amerikaner angehören; es ist eine finanziell gut fundierte Organisation, die dem Weltkommunismus entgegenwirken will und die eine direkte Folge der politischen Ereignisse 1947/49 war: dem Erwachen aus den Kriegsträumereien mit den Sowjetverbündeten. Einer der ersten Schritte war die Gründung des Free Europe Committee, das zunächst daranging, osteuropäische Emigranten im Westen zu sammeln und ihre Mitwirkung bei Radiosendungen für ihre Heimatländer sicherzustellen. So wie die „Stimme Amerikas“ die Stimme der US-Regierung ist, sollte Radio Free Europe die Stimme des osteuropäischen Exils sein. Heute strahlt neben 28 Kurzwellen die stärkste Mittelwelle Europas von RFE nach Osten.

Täglich werden Sendungen nach Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Tschechoslowakei ausgestrahlt. 1300 Angestellte verteilen – sich auf drei Sendegruppenanlagen in Portugal und in der Bundesrepublik; davon sind über 1000 Personen beim Sender München. RFE ist eine private amerikanische Institution, aber auf bundesdeutschem Boden; also haben wir ein legitimes Interesse zu erfahren, was Radio Free Europe sagt und tut.

Die Direktiven kommen aus USA; aber immer sind es Menschen, die die Sendungen zusammenstellen und sprechen. Es wäre menschlich verständlich, wenn politische Reminiszenzen heimatvertriebener Osteuropäer den Sendungen Färbungen gäben, die wenig wünschenswert wären.

Von Amerika sieht sich manches anders an, als von hier. Erwähnt sei als Beispiel die Ballonaktion von „Free Europe Press“. 300Millionen Flugblätter wurden, an Ballons gehängt und den Winden überlassen. Man erzählt sich, daß in Schottland Flugblätter auf russisch, in Finnland auf tschechisch, in der Schweiz auf polnisch und in Italien auf rumänisch herunterkamen. Wahr ist jedenfalls, daß ich unter hundert Ungarnflüchtlingen nicht einen einzigen fand, der irgendwann ein solches Flugblatt gesehen hätte. Ihre Wirkung war gleich null, da das Aufheben oder Beisichführen eines Flugblattes in unfreien Ländern ungleich gefährlicher ist, als das Abhören eines Senders.

Am Tage nach dem Eintreffen der ungarischen Flüchtlinge im Flüchtlingslager Hamburg-Finkenwerder fuhr ich hinaus. Etwa ein Dutzend junger Männer im Alter von zwanzig bis dreißig Jahren fragte ich, ob sie etwas von RFE gehört hätten.

Sie erklärten mir, es gebe wohl keinen Ungarn, der diesen Sender noch nicht gehört habe – er seider einzige glaubhafte Nachrichtendienst, den es für sie gegeben habe. Die Nachrichten seien fast immer mit Quellenangaben durchgegeben worden. Für viele war der Sender die einzige Verbindung zur freien Welt,

Ich fragte, ob der Aufstand durch den Sender unterstützt wurde. Die Antwort: Die Nachrichten hätten vielen bewiesen, daß es hinter dem Eisernen Vorhang noch freie Staatsformen gebe, aber ihre Revolution sei allein aus der kommunistischen Unterdrückung geboren. „Wir Ungarn“, sagten sie, „sind ungeeignet für den Kommunismus.“