Unter der Leitung von Jean Gebser gibt der Otto-Wilhelm Barth-Verlag in München-Planegg eine Schriftenreihe „Weisheitsbücher der Menschheit“ heraus, welche religiöse Texte der verschiedensten Kulturkreise in deutschen Übertragungen nicht nur einer beschränkten Zahl von Fachgelehrten, sondern einem größeren Leserkreise religionsgeschichtlich interessierter Laien zugänglich macht.

Der Frankfurter Indologe Professor Hermann Lommel, einer unserer führenden Veda-Forscher, legt eine Sammlung vor:

„Gedichte des Rigveda.“ Auswahl und Übersetzung v. Hermann Lommel; 135 S., 11,80 DM.

Dieses älteste Denkmal des indogermanischen Sprachstammes, das bis in das zweite Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung zurückreicht, enthält Hymnen, mit welchen die Indo-Arier ihre Götter zum Opfer herbeiriefen. Aus den 1028 Liedern des Sanskritoriginals hat der Herausgeber 75 der schönsten ausgewählt und bietet sie in einer neuen Übersetzung dar. Neben Liedern, die dem Kriegsgott Indra, dem Feuergott Agni, der Morgenröte und anderen Naturgottheiten gewidmet sind, hat Lommel auch Gedichte wiedergegeben, die sich mit dem Totenkult befassen, Zaubersprüche und theosophische Weisheitslieder, die das Wesen des Seins und der Weltschöpfung zu ergründen suchen. Eine Einleitung und Erläuterungen tragen wesentlich zum Verständnis der ehrwürdigen Poesie bei. – In eine ganz andere geistige Welt führt uns das:

„Ägyptische Totenbuch.“ Übersetzt und kommentiert von Grégoire Kolpaktchy; 317 S., 11,80 DM.

Es ist dies eine Sammlung von auf Papyrus geschriebenen, mit Bildern geschmückten Texten, die sich auf das Weiterleben nach dem Tode beziehen und den Verstorbenen von den Hinterbliebenen ins Grab mitgegeben wurden. An der Hand dieses Führers durch die Mysterien des Jenseits sollte der Tote auf die Gefahren, die ihm in der Unterwelt drohen, vorbereitet werden, um ihnen entgehen zu können. Kolpaktchy gibt eine neue lesbare Übersetzung, deren Wert die Ägyptologen beurteilen mögen. Eine wesentliche Bereicherung des Buches stellen die 54 Bilder dar, Nachzeichnungen nach den Papyrusrollen des Originals. Der Übersetzer hat eine umfangreiche Einleitung an den Anfang gestellt, in welcher er dem Inhalt der ägyptischen Esoterik eine eigenwillige Deutung gibt und sie zur Alchimie, zum Gnostizismus, zur mittelalterlichen Mystik und zur indischen Karmalehre in Beziehung setzt. So ansprechend diese theosophischen Spekulationen für manche Leser auch sein mögen, vom wissenschaftlichen Standpunkt aus scheinen sie sehr phantasievoll, man kann dem Verfasser auch nicht folgen, wenn er schreibt: „Die ganze Dialektik eines Herakleitos und eines Hegel bilden das Substrat und die Kristallisationsachse der ägyptischen Weltanschauung.“

Einen interessanten Einblick in die geistige Welt der Jakuten erhält man durch die