sen., Radeberg

Radeberg, ein kleines Industriestädtchen in der Nähe von Dresden, liegt grau und schlotereich in schöner Landschaft. Begrenzt von der Dresdener Heide, umgeben von Wiesen, Feldern und Hügeln, ist es der Heimatort eines wichtigen Großbetriebes, des volkseigenen Sachsenwerkes, in dem Meßgeräte, Drehstrommotoren, Spezialmeßeinrichtungen, Rundfunk- und Fernsehempfänger und anderes elektrotechnisches Gerät hergestellt werden. Während der zwanziger Jahre hieß es das „rote Radeberg“.

1945 wurde auf dem Friedhof der Stadt für gefallene Sowjetsoldaten und ermordete sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter ein Ehrenhain errichtet. Alljährlich begeben sich Vertreter der Parteien und Organisationen am 8. Mai, dem „Tag der Befreiung“, und am Jahrestag der Oktoberrevolution zum Ehrenhain, um Kränze niederzulegen.

In der Nacht vor dem diesjährigen Gedenktag, also vom 6. auf den 7. November, pirschten vier Gestalten durch den Friedhof. Sie hatten sich Bretter unter die Schuhe gebunden, trugen Gefäße mit grüner Ölfarbe in den Händen, drangen in den Ehrenhain ein. Dort begannen sie ein Werk der Verwüstung: warfen Grabsteine um, rissen Blumentöpfe heraus, beschmierten Grabsteine mit SS-, SA- und HJ-Zeichen, schrieben an andere „Sieg Heil“, malten Hakenkreuze.

Als der Schaden offenbar wurde, fanden sich sofort Arbeiter, die im Sondereinsatz alle schändlichen Spuren beseitigten. Das Rondell im Ehrenhof vermochte die Kränze und Blumen kaum zu fassen.

Die Fahndung nach den Tätern war nach kurzer Zeit erfolgreich. Seit einiger Zeit schon empfingen „fortschrittliche“ Menschen Radebergs Drohbriefe, abgesandt von „faschistischen Widerstandsgruppen“. Eines Nachts flammte ein Holzkreuz auf. Dies genügte offenbar nicht, um die Radeberger in Unruhe zu stürzen. So entschloß man sich zu einer größeren Aktion, der Schändung des Ehrenfriedhofes.

Der Tat verdächtig waren Mitglieder des sogenannten Mamboklubs. Es gelang den Organen der Staatssicherheit, vier Jugendliche im Alter zwischen 16 und 19 Jahren zu fassen: Manfred Voß, 1. Vorsitzender des Mamboklubs; Peter Förster, 2. Vorsitzender; Karl Langisch und Rolf Mütze.