Aufofabrikeri: Nur einzelne Produktionsgänge werden vollmechanisierbar

Von Gaston A. de Wolff, Riisselsheini

Die Entwicklung im Automobilbau ist jedem Laien offenbar; man braucht nur ein Modell des Baujahres 1935 mit einem Wagen von 1957 zu vergleichen, um den Umfang des in diesen etwas über 20 Jahren erreichten technischen Fortschritts zu erkennen. Aber auch, wenn man unsere heutigen Wagen mit denen des Jahres 1952 vergleicht, ist der technische Fortschritt, der in nur vier Jahren erreicht wurde, kaum weniger augenscheinlich. Jedoch ist das nur ein Aspekt eines wesentlich komplexeren Problems: Hand in Hand mit der konstruktiven Entwicklung des Produktes geht gleichrangig der technische Fortschritt in den Herstellungsmethoden vor sich, doch bleibt er dem Auge des Laien weit eher verborgen, obwohl er für den Verbraucher nicht weniger wichtig ist. Wenn sich heute weite Kreise der Bevölkerung der industriellen Erzeugnisse zur Befriedigung der Bedürfnisse eines höheren Lebensstandards bedienen können, so verdanken sie dies mehr dem Fortschritt der Herstellungstechnik als der konstruktiven Entwicklung des Produktes.

Neuzeitliche Produktionstechnik

Der Fortschritt der Produktionstechnik nämlich ist es, der die Erzeugungskosten je Produktionseinheit immer weiter vermindert und die Industrieerzeugnisse, die noch vor kurzer Zeit Privileg einer begüterten Schicht waren, heute und morgen in die Reichweite breitester Bevölkerungskreise rückt. Ohne diese Fortschritte der Produktionstechnik wäre die Massenerzeugung hochwertiger Industrieprodukte – seien dies nun Automobile, Kühlschränke, Fahrräder, Nähmaschinen, Waschmaschinen, Rundfunk- oder Fernsehgeräte – unmöglich. Die Herstellungskosten wären so hoch, daß sich ein großer Absatz nicht erreichen ließe.

Von der Fließbandfertigung bis zur Mechanisierung der Produktion führt ein gerader Weg durch die Entwicklung der Produktionsmethoden. Wie die Serienfertigung die Einzelherstellung abgelöst hat und neben der Einführung der Energieanwendung in die handwerklichen Prozesse den eigentlichen Beginn der Industrialisierung kennzeichnet, ist die stufenweise Weiterentwicklung über das Fließband zur Vollmechanisierung häufig als zweite industrielle Revolution bezeichnet worden. Diese Bezeichnung ist meines Erachtens jedoch nicht zutreffend, denn es handelt sich keineswegs um eine Revolution, sondern vielmehr um eine Evolution.

Die Mechanisierung oder Rationalisierung überträgt den Begriff des laufenden Bandes, an dem menschliche Arbeit unter Einsatz von hochqualifizierten Werkzeugen und Vorrichtungen geleistet wird, auf die Transferstraße. Wie das Fließband, führt die Transferstraße das Werkstück von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz, an dem jedoch nun nicht mehr ein Mensch unter Einsatz seiner Werkzeuge, sondern automatisierte Präzisionsmaschinen den Bearbeitungsprozeß durchführen. Mir erscheint aber das Wort „Automatisierung“ oder „Automation“ deswegen als irreführend, weil es zu der Vorstellung eines Produktionsprozesses verleitet, bei dem dem Automaten Rohstoffe zugeführt werden und ein fertiges Produkt am Ende des automatischen Prozesses erscheint. Jeder Fachmann weiß, daß diese Vorstellung unrichtig ist und daß es sinnvoller wäre, statt von Automatisierung von der Vollmechanisierung einzelner Produktionsprozesse zu sprechen.