DIE ZEIT

Jugend... kein Verdienst

Die Jugend wird..., die Jugend kann..., die Jugend will, hat, darf, tut, muß, soll. Die Jugend, die Jugend und immer die Jugend.

Ratlos

Nach der Budapester Geheimkonferenz mit dem sowjetischen Parteisekretär Chruschtschow gab Ministerpräsident Kadar am letzten Sonntag eine Regierungserklärung ab, in der, wie man annehmen darf, kein Wort steht, das nicht von Chruschtschow diktiert wurde.

Es wird weiter gestreikt

In Schleswig-Holstein wird weiter gestreikt. Entsprechend den Empfehlungen ihrer Gewerkschaft haben die organisierten Metallarbeiter in der Urabstimmung am Montag – wie erwartet – den Kompromiß des Schiedsgerichts abgelehnt.

Reaktionär prüft sein Gewissen

Die offizielle Lesart der kommunistischen Presse in Rußland und in den von ihr abhängigen Ländern bestand von Anfang an darauf, daß die ungarische Erhebung das Werk von Faschisten, Großgrundbesitzern, früheren Horthy-Offizieren, Adligen und Angehörigen der gehobenen Bourgeoisie gewesen sei.

Eisenhowers Schlag ins Leere

Wenn man das so sieht, dann kann man es mal so richtig sehen ..." ich meine, wie die Politik hüben und drüben gemacht wird: Chruschtschow fährt heimlich nach Budapest, gießt Öl oder Wasser in die Flammen, dreht den Hahn des Zuspruchs auf oder zu, ganz wie es ihm paßt; hält provozierende Neujahrsreden, über deren Bedeutung alle Kaffeesatzdeuter der Welt bis zur nächsten Äußerung sich grübelnd und deutelnd den Kopf zerbrechen.

Dehler stürzte auf lautlose Weise

Daß sich Ministerpräsident a. D. Dr. Reinhold Maier bei dem Dreikönigstrefffen der schwäbischen FDP als Nachfolger Dehlers präsentierte, daß dieser Landesparteitag zur Generalprobe für den bevorstehenden Parteitag in Berlin wurde und daß schließlich diese Generalprobe eine für FDP-Verhältnisse ungewöhnlich geschlossene Stimmabgabe bei der Wahl Maiers vorausahnen läßt – das alles wird beim „Fußvolk“ der Partei und in der Öffentlichkeit nicht mehr als Sensation empfunden, und dennoch, wissen selbst die freidemokratischen Spitzenfunktionäre kaum wie ihnen geschah und was nun werden wird.

Mann ohne Feinde

Fünf Wochen war Außenminister Dulles krank, aber nicht er verließ seinen Posten (was viele vorausgesagt hatten), sondern Unterstaatssekretär Herbert Hoover jr.

ZEITSPIEGEL

Die deutschen Ostgebiete heißen im amtlichen Sprachgebrauch künftig „Deutsche Reichsgebiete in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 unter vorläufiger polnischer beziehungsweise sowjetische! Verwaltung“.

Lollo-Baby

Die Lollobrigida hat neulich eine Pressekonferenz einberufen, und die italienischen Filmjournalisten sind auch brav gekommen.

Noch einmal: Demontage...

Die Ernennung von Christian Herter zum Unterstaatssekretär im US-State-Department weckt Erinnerungen an die ersten Jahre nach dem Zusammenbruch, in denen Herter der erste war, der eine Bresche in die Morgenthau-Rachsucht schlug.

Was ist ein Professor wert?

Unbemerkt von der Öffentlichkeit, wird zur Zeit in der Hamburger Bürgerschaft ein Gesetz beraten. Unter dem Motto „Vereinheitlichung“ beseitigt es die alte Besoldungsordnung der Hochschullehrer und zementiert die Vertreter des Geistes ein zwischen Schlachthofdirektor und Polizeisekretär.

Israelis wollen nicht räumen

„Westlich von El Arish stehen keine israelischen Truppen mehr“, erklärte vor kurzem das israelische AußenministernÜber den Verbleib seiner Truppen östlich dieser Ortschaft hat Israel bisher keine Angaben gemacht, aber man weiß, welchen Wert Israel auf den freien Zugang zu seinem Hafen Eilat am Golf von Akaba und – was gleichbedeutend ist – die Beherrschung der Meerenge von Uran an der Südspitze der Sinai-Halbinsel legt.

Gespräch mit Moskau

Das Gespräch über unsere Handelsbeziehungen mit der Sowjetunion braucht nicht erst begonnen und vorbereitet zu werden. Dieses handelspolitische Gespräch war bereits längere Zeit im Gange, und daß es abgebrochen oder unterbrochen wurde, war nicht die Schuld der deutschen Gesprächspartner.

Stalin in Italien

Am letzen Tag des alten Jahres haben sechs prominente italienische Kommunisten ihren Austritt aus der KPI erklärt, darunter der Ordinarius für Literatur an der römischen Universität, Natalino Sapegno, und der Ordinarius für Verfassungsrecht an der Universität Triest, Vezio Crisafulli.

Die Algerien-Sackgasse

Wie damals in Indochina, so ist es heute in Algerienso weit gekommen, daß es auf der nichtfranzösischen Seite nur noch eine Autorität, nämlich die Kräfte des Maquis, gibt.

Eine denkwürdige Begegnung

In einem Tessiner Bergnest über dem See von Lugano wohnt Rudolf Pannwitz in einem Turm, der nicht von Elfenbein ist, auch nicht dem von Muzot gleicht, dem alten und sehr soliden, den sich Rilke im fruchtbaren Rhonetal zum Wohnsitz erwählt hatte.

Rennert ringt um den „Ring“

Richard Wagner konnte nicht einmal durch die Sympathie Adolf Hitlers zu Tode geritten werden. Erstaunlich ist es dennoch: In unseren Opernhäusern dominiert nicht nur der Musiker Wagner – also „Tristan und Isolde“, „Die Meistersinger“ und die romantischen „Opern“.

Moralische Taktlosigkeit

Heinz Hilpert ist ein guter Theatermann. Sein Wirken hat die ganze deutsche Theaterentwicklung der vergangenen Jahre und Jahrzehnte mitbestimmt.

Der Erdteil ohne Bühnen

Immer lauter ertönt aus dem fernen Südamerika der Ruf nach Tourneen deutscher Künstler – Musiker, Sänger, Schauspieler. So hat gerade jetzt die Deutsche Bühne von Buenos Aires den Intendanten Hans Schweikart eingeladen, mit den Münchener Kammerspielen im Juli und August 1957 in Südamerika – Argentinien, Brasilien, Uruguay – zu gastieren.

Heinrich Scholz †

In Münster ist im Alter von 72 Jahren ein Mann gestorben, der als Gelehrter übernationalen Rang hatte, als Mensch außergewöhnlich war und überdies unseren Lesern als Mitarbeiter dieser Zeitung gewiß unvergeßlich sein wird: Heinrich Scholz, emeritierter Professor der mathematischen Grundlagenforschung, Doktor der Theologie und Philosophie an der dortigen Universität.

Der große Zuck

Erst kam, ein bißchen knickebeinig und mit dem Gang des alten Reiter Rudolf Binding und trug aus seiner Lyrik vor, später erschien René Schickele, setzte sich mit unnachahmlicher Natürlichkeit, die aus Eleganz und Bescheidenheit gemischt war, an das Vortragstischchen und las aus seiner Prosa.

Der Zauberkünstler

Nach der letzten Abendvorstellung fand Smith, Direktor und Mitbesitzer des Varietétheaters „Eldorado“, einen Brief auf seinem Schreibtisch, in welchem ihm der Meister der Zauberkünstler, Omar er Bazan – der mit seinen Kunststücken schon über ein Jahr mindestens ein Viertel des Erfolges der ganzen Vorstellung bestritten hatte –, in wenigen und trockenen Worten mitteilte, daß er beabsichtige, in ein anderes, nicht näher angegebenes Theater überzuwechseln, wo – wie er schrieb – „seine Talente eine entsprechendere finanzielle Würdigung finden würden“.

Notizen

Größte Beethoven-Sammlung der Welt. Die größte Beethoven-Sammlung der Welt besitzt jetzt das Beethoven-Haus in Bonn, nachdem der Nachlaß des im Mai letzten Jahres verstorbenen Schweizer Musikforschers Bodmer – der seine Bestände testamentarisch dem Beethoven-Haus vermachte – in Bonn eingetroffen und in die bereits vorhandene Sammlung eingegliedert ist.

Dämonen und Naturgewalten

Seit die Brüder Grimm den deutschen Märchenschatzvor dem Vergessen bewahrten, indem sie aufschrieben, was bis dahin nur mündlich fortlebte, eiferten ihnen viele nach – Liebhaber Sammler und Wissenschaftler.

An den Grenzen des Sichtbaren

Es gibt keinen Dichter, den die Dinge mehr fasziniert hätten; keinen, der in den Dingen weniger faßbar wäre, als Rilke. Goethe (so schrieb E.

Auch die Kindheit war kein Paradies

Die Dichterin Marie Luise Kaschnitz, vor einem Jahr ausgezeichnet mit dem Büchnerpreis, erinnert sich in ihrem neuesten Buch ihrer Kindheit.

Sekretärin am Nil

Sekretärinnen haben sich in der letzten Zeit einer festen Platz in der Unterhaltungsliteratur erobert. Sie sind die legitimen Nachfolgerinnen der Gesellschaftsdamen und Gräfinnen.

Kabinett der Zoologie

Von der Altertumsforschung bis zur modernen Medizin, auf fast allen Wissensgebieten, hat die gerade in den letzten Jahren seit Ceram aufblühende Non-fiction-Literatur reiche Früchte getragen, und es dürfte für die populär-wissenschaftlichen Autoren schwer fallen, noch ein völlig neues Thema zu finden.

Moral und Wirklichkeit

Die Geschichte von „Robinson Crusoe“ hat bewirkt, daß Daniel Defoe, der von 1659 bis 1731 lebte, bei uns in Deutschland den Jugendschriftstellern zugezählt wird, zumal von seinen anderen Werken selten etwas ins Deutsche übertragen wurde.

Für 1500 DM je Kind läßt sich da jetzt Abhilfe schaffen – nicht nur in Berlin. Und das erscheint als eine geringe Summe, wenn man bedenkt, daß man mit ihr einem kranken Menschen die Chance erkaufen kann, wenigstens eine gesunde Ausbildung zu erhalten.: Das Schulsprechgerät

Die 75 000 DM, mit denen der Leiter der Abteilung Sonderschulen beim Berliner Senator für Volksbildung, Oberschulrat Keller, hundert Kästen, die kaum größer sind als normale Schuhkartons, kaufen will – diese 75 000 DM werden am richtigen Ende ausgegeben.

Nordrhein – Westfalen: Letzter Ruhrfährmann

Zu seinem 85. Geburtstag war er nicht mehr anzutreffen. „Der ist gestorben“, sagten die Nachbarn. Und einer meinte, daß er es nicht verwinden konnte, daß, nachdem die neue Brücke fertig war, sein Fährboot außer Dienst gestellt wurde.

Hamburg: Fahrten ins Hinterland

Der gedrungene, runde Turm mit dem spitzen Ziegeldach, gegenüber dem Hamburger Hauptbahnhof, trägt in bläulichen Leuchtbuchstaben den Namen ZOB.

Rheinland -Pfalz: Nur 12 Flaschen Wein

Zwölf Flaschen Wein für zwei Personen können „eine geringe Menge“ sein, die „zum alsbaldigen Verbrauch bestimmt ist“, wie jetzt das Koblenzer Schöffengericht in einem Urteil gegen einen 23jährigen und einen 20jährigen Bewohner der Rhein-Mosel-Stadt feststellte.

Bremen: Happy New Year

Auf dem amerikanischen Truppentransporter „MarineCarp“, der in Bremerhaven festgemacht hat, trafen zum Jahresende 700 Ungarnflüchtlinge ein.

Mecklenburg: SOS – kein Radar

Kapitäne, Funker und Matrosen der mitteldeutschen Fischdampferflottillen bombardieren gegenwärtig die Regierung in Pankow, die Abteilung Technik bei der Hauptverwaltung Fischwirtschaft und die Werften mit Hilferufen, endlich Radargeräte für die Trawler zu produzieren, die auf Fischfang bis nach Grönland und Island geschickt werden.

Hessen: Kuß aus Todesangst

Daß sich der 22jährige Günther G. noch kurz vor Weihnachten auf der Anklagebank des Wiesbadener Schöffengerichts einfand, um sich wegen eines geraubten Kusses zu verantworten, war der übernationalen Polizeizentrale „Interpol“ in Paris zu verdanken; nach einer weltweiten Fahndung, die diese Zentrale eingeleitet hatte, nahm ihn ein Hafenpolizist in Genua fest.

Badehose und Goethebüste

Kaum einer jener Touristen, vor denen selbst der geheimste Winkel nicht mehr sicher ist, wird, wenn er Wien besucht, auf den Gedanken kommen, das „Dorotheum" zu besichtigen — es sei denn, seine leere Reisekasse zwingt ihn dazu.

Wenn in Franken Schnee gefallen ...

Der Winter läßt sich nicht auf Termine ein. Eines Tages aber kommt er auch nach Franken. Die grundsätzliche Milde, mit der er sich dort, im nördlichen Bayern, in Erinnerung zu bringen pflegt, schließt nicht aus, daß er bisweilen sogar recht ungestüm auftritt.

Sehenswerte Filme

Aus der Fülle der meist unwesentlichen Filme heben wir an dieser Stelle einige aus der Spitzengruppe heraus. Da diese Filme eine längere Laufzeit haben und in sehr großen Abständen in den einzelnen Bundesländern erscheinen, finden Sie gelegentlich Wiederholungen, wobei wir jeweils die neuen Hinweise voranstellen.

Notizen für Reisende

Schweizer Sonntagsfahrverbot aufgehoben. Das am 26. November bekanntgegebene Sonntagsfahrverbot in der Schweiz ist mit sofortiger Wirkung aufgehoben worden.

Seine Majestät der Reisemarschall

Ein Reisemarschall ist heute ebenso überflüssig geworden wie ein Hofnarr. Goethe reiste mit seinem Kammerdiener, dem er in genialer Unbekümmertheit den organisatorischen Teil seiner Reise überließ.

In Düsseldorf

Der Düsseldorfer gibt immer ein bißchen mehr aus als er hat und kommt doch damit zurecht ... das ist das Geheimnis seiner Lebenstüchtigkeit, die auf der ausgleichenden Weltanschauung von der heiteren Fürsorglichkeit des Alls beruht.

Auf einen Blick ...

Aus Bonn kommt die überraschende und recht erfreuliche Nachricht, daß die Bundesregierung jetzt die deutsch-sowjetischen Handelsbeziehungen überprüfen und auch überlegen will, ob der Abschluß eines Handelsvertrages mit der UdSSR in Frage kommt.

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