In einer der schönsten Manöveranekdoten wird von dem Herrn General an den Leutnant die schreckliche Frage gestellt: "Was haben Sie sich eigentlich dabei gedacht?" Die gleiche Frage ist an jene Gruppe der Glasindustrie zu richten, die mitten in der Hochkonjunktur eine Preiserhöhung unter der Bezeichnung "Krisenzuschlag" ankündigt. Verschiedene Zweige der Glasindustrie, darunter auch die Hersteller von Konservenglas, hatten erst vor einigen Wochen ihre Preise um durchschnittlich 10 v.H. erhöht. Jetzt verkünden die Konservenglashersteller, sie müßten einen neuerlichen Aufschlag von 4 v. H. nehmen. Und dieser soll also "Krisenzuschlag" heißen! Die Hersteller für preisgebundene Markengläser haben diesen Zuschlag bereits in die Bruttopreise eingerechnet, wie der Fachhandel mitteilt. Andere Hersteller haben das Anhängeverfahren gewählt. Ob die Hersteller von Wirtschaftsglas ebenso einen "Krisenzuschlag" in Anrechnung bringen, ist noch ungewiß. Hier ist die Beschäftigungslage so ausgezeichnet, daß man sich, wie der Einzelhaftdelsverband kommentiert, "auch derartige Preiserhöhungen erlauben kann".

Da die Liefertätigkeit der Wirtschaftsglasindustrie nicht der Verbrauchernachfrage entspricht und in den Wochen und Monaten vor Weihnachten "schlecht und zögernd" gewesen ist, fordert der Handel nunmehr die Einfuhr von Glaserzeugnissen bei voller Liberalisierung und radikaler Senkung der Zölle deren Höhe immer noch 19 v. H. (zusätzlich 6 v. H. Umsatzausgleichsteuer) beträgt. Ein Modellfall für den Bundeswirtschaftsminister, durch Liberalisierung der Importe und Zollfreigabe eine "einseitige Ausnutzung der Marktlage" zu korrigieren? lt