Dd, Frankfurt

Am 10. Januar wurde 49jährige Ludwigshafener Oberbürgermeister ferner Bockelmann durch einstimmigen Beschluß der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung als Nachfolger für den am 20. September 1956 verstorbenen Dr. Walter Kolb in den Römer berufen. Bockelmann ist der zehnte Oberbürgermeister der Mainmetropole sei: 1866 – dem Jahr Null der neueren Frankfurter Kommunalgeschichte. Auch heute noch wird die Eroberung der Stadt durch preußische Truppen vor neunzig Jahren als der tiefste und entscheidende Einschnitt empfunden, der die politische und wirtschaftliche Existenz der Bürgerschaft grundlegend veränderte.

Von 1311 bis 1866 regierten in der Freien Reichsstadt 502 Bürgermeister. Der regierende (ältere) und der jüngere Bürgermeister" wurden alljährlich neu gewählt. Sie repräsentierten den Stadtstaat und schlossen nach Beratung mit den übrigen Senatoren internationale Verträge ab. Im Juli 1866 rückten preußische Regimenter in die Stact ein. Als einer ersten Kontribution von sechs Millionen eine zweite von 25 Millionen Gulden folgte und für den Fall der Nichtaufbringung die Plünderung und Brandschatzung Frankfurts angedroht wurde, erhängte sich der letzte regierende Bürgermeister der Freien Stadt, Konstantin Viktor Fellner, im Garten seines Hauses.

Die Frankfurter sind nie rechte Preußen geworden, und Preußen mißtraute der republikanisch gesinnten Stadt: das Oberpräsidium der neugebildeten Provinz Hessen-Nassau wurde nach Kassel, die beiden Regierungspräsidien nach Kassel und Wiesbaden gelegt. Auch nach dem Ende des preußischen Staates, bei der Neubildung des Landes Hessen, zog die Regierung nicht in die größte Stadt, in das Verkehrszentrum des Landes, sondern in das benachbarte Wiesbaden.

Als schließlich nicht Frankfurt, sondern Bonn Hauptstadt der Bundesrepublik wurde, zeigte sich erneut, daß das Schicksal der Stadt seit 1866 die Rolle eines politischen Verwaltungszentrums folgerichtig verwehrte. Dafür brachten die letzten neunzig Jahre unter der Regierung hervorragender Oberbürgermeister einen wirtschaftlichen Aufschwung, der selbst in Not- und Krisenzeiten nur wenig retardiert wurde...

Von 1868 bis 1880 leitete Dr. Daniel Heinrich Mumm die Geschicke der Stadt; er war nach den 502 Bürgermeistern der Reichsstadtzeit, die alle das Frankfurter Bürgerrecht haben mußten, der letzte echte Frankfurter, der im Römer amtierte; während seiner Amtszeit wurden die Ober- und die Untermainbrücke und das Opernhaus gebaut. 1880 holten, sich die Frankfurter den Hannoveraner Dr. Johannes Miquel, der zuvor Oberbürgermeister von Osnabrück gewesen war. Er vollendete den Westhafen und erlebte die Eröffnung des Hauptbahnhofs, des größten Bahnhofs auf dem europäischen Kontinent.

1890 folgte ihm Franz Adickes, gleichfalls Hannoveraner, nachdem Miquel zum preußischen Finanzminister berufen worden war. Adickes, zuvor Oberbürgermeister in Altona, weihte das Schauspielhaus, die Festhalle, die Universität und den Osthafen ein. Von 1912 bis 1924 regierte der Danziger Dr. Georg Voigt im Römer, dann folgte der Mannheimer Dr. Ludwig Landmann bis 1933. Er war der Initiator des ersten Autobahnprojekts, der "Hafraba", deren Planung später von Speer übernommen wurde. Unter ihm wurde die Industrievorstadt Höchst eingemeindet, er bereitete die Feiern des Goethejahres 1932 vor und gründete das Goethe-Museum.