W. D., Haltern

Für Sigmund Freud und seine psychoanalytischen Nachfahren wären die 400 Damen im Alter von 16 bis 60, die sich bei dem Halterner Filmproduzenten Karl Heinz Kramer meldeten, sicherlich dankbare Studienobjekte gewesen. Es stellte sich nämlich heraus, daß der Wunschtraum all dieser Evatöchter keineswegs dahin zielte, einmal eine Sofia, Lollo und Monroe zu sein, sondern schlicht und einfach eine Hexe. Oder was soll man anders daraus folgern, daß sich auf die bescheidene Anfrage des Kulturfilmproduzenten 400 Kandidatinnen für die Rolle einer Hexe meldeten.

Der Produzent fiel jedenfalls aus allen Wolken. Er hatte sich, um sicher zu gehen, vorsichtig an einige Laienspielbühnen gewandt. Allein aus der westfälischen Stadt Lemgo kamen 200 Angebote. Gewählt wurde schließlich eine 20jährige Verkäuferin aus Hamm, die als Laienspielerin bei einer Waldbühne aufgefallen war. Sie wird nun in einem Kulturfilm über das Schicksal der angeblichen Hexe Anecke Schoeves, die 1601 in Westfalen verbrannt wurde, den Tod erleiden...