Wesp., Wittmund

Wie eine Halbinsel dehnt sich zwischen dem Hafen Emden und dem Jadebusen – an dessen innerem Zipfel Wilhelmshaven liegt, das in absehbarer Zeit Ausgangspunkt der Ölleitung zum Ruhrgebiet sein wird – sowie zwischen dem langgestreckten früheren Freistaat Oldenburg und dem meerumspülten Kranz der Inselkette von Borkum bis Wangerooge die Landschaft Ostfriesland. Ergiebige Moore, die mehr als ein Viertel der Oberfläche des Regierungsbezirkes Aurich bedecken, dürres Heideland, nicht besonders fruchtbare Ackerböden und grüne Weiden sind das Typische der "Geest", die am Rande der Nordsee von einem überaus fruchtbaren Marschgürtel bis zu zwanzig Kilometer Breite abgelöst wird. Eine Landschaft mit zehntausend Gräben, Fehnkanälen, Deichen, Schöpfrädern und Windmühlen, überaus arm an Baumwuchs, denn nur zwei Prozent Ostfrieslands sind mit Wald bestanden. Fischerei, Weidewirtschaft, Landwirtschaft und Torfgewinnung bilden die wirtschaftlichen Schwerpunkte dieses 3100 Quadratkilometer großen Landes, zu denen jetzt ein weiterer, überaus lukrativer Wirtschaftszweig kommen wird: Erz!

Dicht an der Grenze des Kreises Wittmund zum Lande Oldenburg hin wurde nämlich innerhalb der Gemeinde Bentstreek ein ausgedehntes Erzlager entdeckt, das nach den Mitteilungen des Bergamtes Meppen umfangreicher als das von Salzgitter ist und in der Qualität den hochwertigen schwedischen Erzen gleichkommt. Dieser geologische Fund erfolgte im Zusammenhang mit Bohrungen nach Ölvorkommen; denn Öl wird bereits seit mehr als zwanzig Jahren in der unweit von Bentstreek liegenden Gemeinde Etzel gefördert.

Das jetzt entdeckte Erzlager liegt in einer Tiefe von etwa 1400 Meter, wird auf vierzig bis sechzig Meter Dichte geschätzt und in seiner Ausdehnung zur Zeit durch Bohrungen noch systematisch abgetastet. Soeben wurde ein Bohrturm für die sechste Untersuchung in etwa eintausend Meter Entfernung von der Stelle errichtet, an dem man vorher fündig geworden war. Wie die Sachverständigen erklären, bedeutet die Förderung des Erzes aus einer so großen Tiefe für die moderne Technik keinerlei Schwierigkeiten. Der Mutungsantrag für das Vorkommen ist bereits gestellt, doch wurde bisher noch nichts darüber bekannt, wann mit der Ausbeute begonnen werden wird.