Rückwirkungen auf Deutschlandhandel

Einer der wertvollsten Rohstoffbezirke der Welt, die frühere holländische Kolonie und jetzige Republik Indonesien, befindet sich in einer empfindlichen wirtschaftlichen Krise, die u.a. durch den Anstieg der Lebenshaltungskosten von 100 im Jahre 1953 auf 160 in 1955 gekennzeichnet wird. Da es nicht gelungen ist, diesen inflationistischen Trend im vergangenen Jahr abzustoppen, hat sich die Regierung zu schwerwiegenden Maßnahmen entschlossen, deren letzte Konsequenzen noch nicht abzusehen sind. Erstens wurde die Verpflichtung, an Holland 3 Mrd. hfl (3,3 Mrd. DM) zu zahlen, für nichtig erklärt, zweitens wurde beschlossen, die Ausgabe von Einfuhrlizenzen vorläufig so gut wie vollständig einzustellen, wodurch auch der deutsche Export nach diesem Lande erheblich getroffen wird.

Die Lieferungen nach Indonesien sind von vornherein mit drückenden Importabgaben belastet. Diese betragen für lebenswichtige Güter (Mehl, Textilien und u. a. Chemikalien) 50 v. H. vom Einfuhrwert (Gruppe I), auf weniger. wichtigen Importgütern (Gruppe II) liegen bereits 100 v. H., Waren der Gruppe III (u. a. Butter, Zigaretten) Zahlen 200 v. H., während Kühlschränke, Grammophone und auch Motorräder (Gruppe IV) sogar mit 400 v. H. belegt sind. Trotzdem hat sich der Export der Bundesrepublik nach Indonesien in den letzten Jahren recht befriedigend entwickelt und auch im Verlaufe des Jahres 1956 weiter zugenommen.

Mit am stärksten ist in letzter Zeit die westdeutsche Ausfuhr von Farbstoffen für die indonesische Textilindustrie, ferner der Export von Kraftfahrzeugen und elektrotechnischen Erzeugnissen angestiegen. Schließlich gehören nach wie vor deutsche Fahrräder und optische und feinmechanische Erzeugnisse trotz der starken japanischen Konkurrenz zu den vom indonesischen Markt gern aufgenommenen Waren. Bei der Einfuhr aus Indonesien haben sich in der letzten Zeit starke Verschiebungen ergeben. Während der westdeutsche Import von Ölfrüchten scharf rückläufig war, nahm er bei Rohtabak, Kautschuk und Zinn weiter zu. Von der jetzt erfolgten Einführung von Exportprämien in Höhe von 3 bis 20 v. H., u. a. für Kopra, Kautschuk und Tee, verspricht sich die indonesische Regierung übrigens eine weitere Zunahme des Exports.

Von entscheidender Bedeutung für das Land ist aber die Frage, ob es der Regierung gelingt, durch eine schnelle. Förderung der Industrialisierung oder durch eine radikale Kehrtwendung in der bisherigen Importpolitik den inflationären Preisauftrieb zu stoppen. Nach der Gewährung eines 55-Mill.-$-Kredits durch den Internationalen Währungsfonds (über einen 100 Mill. $ betragenden Kredit der Sowjetunion wird noch verhandelt) hat die Regierung jetzt bei ihrer Importpolitik etwas mehr Bewegungsfreiheit, die jedoch nur eine vorübergehende Milderung, aber noch keine prinzipielle Lösung der außenwirtschaftlichen und preispolitischen Schwierigkeiten bringt, die jetzt durch die innerpolitische Unruhe ganz besonders akut geworden sind. Sn