Die "Akademie der freien Künste", der "Deutsche Presseklub" und der Künstlerclub "die insel", alle drei in Hamburg ansässig, hatten den Schriftsteller Günther Weisenborn gebeten, über seine Reiseeindrücke nach einer mehrwöchigen Fahrt durch China zu berichten. Der größte Raum der "insel" war überfüllt, ebenso ein Nebenraum. Als jedoch nach Schluß der Veranstaltung jeder zum Ausgang drängte, hörte man aus dem Munde der wegen ihrer freimütigen Äußerungen nicht gerade berühmten Hamburger, Sätze wie: "Diese Einladung war einfach eine Frechheit!" und: "Ich glaube, er sucht dafür einen Verleger, aber ich kann mir nicht denken, daß er einen findet." Was war geschehen?

Weisenborn hatte sich durch die – gelinde gesprochen – Unbeholfenheit seines Vortrags einfach blamiert. Er kam mit einer Menge Notizzettel an, in deren Durcheinander er sich nicht zurechtfand. Er machte ungenaue Angaben, verwickelte sich in Widersprüche und lieferte ständig Beispiele unfreiwilliger Komik. Auf die Frage, ob es Ressentiments gegenüber den Engländern in China gäbe, meinte er, er hätte bemerkt, wie man in einem Hotel die englischen Schilder an einer Dusche für "Heiß" und "Kalt" absichtlich verwechselt habe. Die Frage, ob die Chinesen noch so schrecklich unter den Fliegen zu leiden hätten, verneinte er, ebenso, ob es noch die der Haustür gegenüberliegende Wand zum Fernhalten böser Geister gäbe. Er fügte hinzu, er hätte nur einmal eine solche Wand gesehen und die sei gegen die Fliegen gewesen. "Aber ich denk’, es gibt dort keine Fliegen!" stöhnten einige Zuhörer. "Ja, ich hab’ auch nur ein oder zwei gesehen" ...

Wir hegen nicht den geringsten Zweifel an der menschlichen Lauterkeit von Günther Weisenborn. Aber wäre es nicht die Pflicht seiner zahlreich erschienenen, einflußreichen Freunde gewesen, ihn vor diesem Auftritt und vor ähnlichen anderen zu bewahren? Es war ein schlechter Freundesdienst, diesen Mann, an dem anscheinend schwere Jahre nicht spurlos vorübergegangen sind und der deshalb einer solchen Aufgabe nicht gewachsen ist, so zu kompromittieren.