W. B., Mainz

In einem Festakt der Johannes-Gutenberg-Universität zu Mainz wurde dem Film- und Theaterregisseur Ludwig Berger zu seinem 65. Geburtstag die Gutenbergplakette der Stadt Mainz verliehen. An der Feier nahmen Künstler und Kunstinteressierte aus dem ganzen Bundesgebiet und aus Westberlin teil.

Ludwig Berger, der Mainzer Bürgerssohn eines demokratischen Kämpfers von 1848 hat als Regisseur am Mainzer Stadttheater begonnen, seine zweite Station hieß Hamburg, seine dritte Berlin. Seine Shakespeare- und Mozart-Interpretationen haben Berger in den zwanziger Jahren schnell auf die Höhe des Ruhms gebracht, die durch seine Tätigkeit als Ufa-Regisseur gefestigt wurde. Erst die notwendig werdende Emigration nach Amsterdam riß ihn ein wenig aus der Bahn. Aber es blieb kein Tropfen Bitterkeit, wie sein Freund Professor Plessner jetzt in seinem Vortrag über Leben und Werk Bergers sagte. Plessner erinnerte an die filmischen Kunstwerke, die Berger geschaffen: "Walzertraum", "Walzerkrieg", "Der gläserne Schuh", er gedachte auch der Amsterdamer Aufführung des "Sommernachtstraum" mit Dilettanten, bei der ein Bankdirektor den Oberon spielte. Bergers Lebenswerk sei mit der Autobiographie "Wir sind vom gleichen Stoff, aus dem die Träume sind" noch nicht abgeschlossen. "Wir bedürfen einer Theorie des filmdramatischen Gestaltens – und erwarten Sie von Ihnen! Sie haben das Zeug zu einem Lessing des Films!"

Die Berliner Akademie der Künste und Wissenschaften, der Ludwig Berger angehört, ließ durch den Schauspieler Ernst Schröder Glückwünsche und die Grüße aller Berliner Intendanten und Regisseure überbringen, die sich mit Berger seit seiner Berliner Zeit und Zusammenarbeit mit Max Reinhardt verbunden fühlen. Schröder bezeichnete Ludwig Berger als eine der größten Persönlichkeiten der deutschen Theatergeschichte und bezog ihn in die Reihe der Eckhoff, Lessing, Iffland Reinhardt ein.

"Die Technik als Helfer der Kunst" kennzeichnete Ludwig Berger in einem kritischen Vortrag in dreifacher Weise: als Mittlerin des Künstlerischen für die Masse, als soziale Helferin und als Aufgabe für den schaffenden Künstler. Daß der Film Kunst sein könne, hätten die Franzosen bewiesen. "Der Film muß Volkskunst sein, aber nicht Heimatkunst", sagte Berger, der übrigens auch die Fernsehprogramme einer scharfen Kritik unterzog.