ol. an., Frankfurt (Oder)

Die politische Karriere des NDPD-Stadtverordneten und Abgeordneten Willi Minack in Frankfurt an der Oder ist trotz seiner eifrigen Mitarbeit beim "Aufbau des Sozialismus" in Frage gestellt. Denn seine eigenen Parteifreunde mußten ihn jetzt im Auftrag der SED rügen, weil er als Vorsitzender der "Ständigen Kommission für Landwirtschaft" einen idealen Sündenbock für die katastrophale Lage auf dem Agrarsektor abgibt.. Also wird ihm jetzt öffentlich vorgeworfen, was man im geheimen immer von ihm verlangt hat: widerspruchslos alle Vorschläge der SED-Kommissionsmitglieder durchgeführt und keine eigene Initiative entfaltet zu haben. Ja, er habe durch seine sklavische Ergebenheit die Kommission arbeitsunfähig gemacht.

Der NDPD-Kreisvorstand zieht daraus die – wenn man das Abhängigkeitsverhältnis der bürgerlichen Parteien in der Sowjetzone berücksichtigt – merkwürdige Folgerung: "Willi Minack hat sich von der Partei entfernt! Als der Kreisvorstand ihn aufforderte, über seine Arbeit zu berichten, erwies es sich, daß er überhaupt nichts zu berichten wußte. Er zeigte eine vollkommene Hilflosigkeit..." Soweit der Bericht des Vorsitzenden des Kreisverbandes, Sawade, der leider vergaß, hinzuzufügen, daß Willi Minack immer wieder verzweifelt auf die SED-Kommissionsmitglieder hingewiesen hatte, die über alle Unterlagen verfügten und die tatsächliche Leitung der Kommission innehatten. Nun, da die Landwirtschaft in diesem Gebiet chaotische Züge angenommen hat, wird Minack für die Fehler der selbstherrlichen SED einzustehen haben – seine Partei ist jedoch bereit, einen neuen Vorsitzenden zu stellen.