iel., Breslau

Nach dreijährigem Schweigen überraschen die Polen nun damit, daß sie im alten deutschen Breslau eine Filmstadt errichtet haben. Unweit der Jahrhunderthalle – die heute "Hala Ludowa" genannt wird – bauten sie in dem früheren Poolzig-Bau Ateliers und Verwaltungsräume ein.

Das im Scheitninger Park an der Jahrhunderthalle entstandene Filmgelände trägt die Bezeichnung WYTWORA FILMLOW FABULARNICH und wird von einem gewissen Direktor Nowak aus Lodz geleitet, der früher einmal Angestellter des internationalen Reisebüros Cook gewesen ist. Der Aufbau des Breslauer Studios erfolgte weitgehend von Lodz aus, das seit Kriegsende die wichtigsten polnischen Filmfirmen beherbergt. Die Breslauer Anlagen sind ganz auf die Herstellung neuer Filme ausgerichtet. Synchronisationsanlagen hat man bisher nicht gebaut. Wie jetzt offiziell erklärt wurde, werden die kürzlich eingeführten westdeutschen Filme sämtlich original gezeigt, weil "60 v. H. aller Polen deutsch verstehen". Als erster westdeutscher Film wurde in Breslau der Streifen "Salto mortale" mit Margot Hielscher gezeigt, der im ehemaligen Capitol-Kino (heute SLASK) anlief und schon seit Wochen ausverkauft ist.

Interessant ist auch, daß gegenwärtig in Breslau der Film "Zwei vom Strom" gedreht wird, der die Liebe eines deutschen Mädchens zu einem jungen Polen behandelt. Wie denn überhaupt das Breslauer Studio die Aufgabe hat, durch besondere Filme die noch in Polen lebenden Deutschen anzusprechen und sie stärker an das Polentum zu binden. Sind die Aufnahmestudios auch klein, so kann man doch rund alle sechs Wochen einen Film herstellen. Ohne nationalistische Vorurteile hat die Breslauer Filmstadt auch alle alten deutschen Fachleute eingestellt, die jetzt noch im polnischen Machtbereich aufzufinden waren. So findet man vor allem unter dem technischen Personal eine Reihe von Deutschen.