Der Vizekanzler ist doch durchaus eine sehr hochgestellte Persönlichkeit, und man sollte deshalb meinen, daß aus seinem Hause nur solche Vorschläge kommen, die nach allen Richtungen hin überprüft und mit den Beteiligten abgestimmt wurden. Offenbar gilt dies aber nicht für seinen Plan, bei der Ausfuhr-Kredit-AG neben den bereits bestehenden Plafonds A und B einen dritten Plafond C einzurichten, der für Exportfinanzierungen über fünf Jahre zur Verfügung stehen soll.

Soweit bisher bekanntgeworden ist, stellt sich der Vizekanzler vor, daß dieser Plafond mit Geldmarktmitteln gespeist wird. Um damit eine langfristige Finanzierung durchführen zu können, soll über die Zeit von fünf Jahren hinaus die Notenbank eine Refinanzierungszusage geben. Ein solcher Vorschlag aber ist währungspolitisch überaus problematisch. Darum besteht wohl auch keine Chance, daß ihm der Zentralbankrat freudig zustimmen wird, zumal seine Politik heute eher darauf gerichtet ist, Exporthilfen früherer Zeit abzubauen als neue zu schaffen.

Das weiß man natürlich auch in Bonn ganz genau. Hätte sich der Vizekanzler nicht vorher darüber vergewissern können, wie seine Vorschläge in der Frankfurter Taunus-Anlage beim Zentralbankrat aufgenommen werden? Offenbar hat er das versäumt, denn bisher deutet nichts darauf hin, daß die Notenbank von ihrer Linie abzugehen gedenkt. Noch erstaunlicher ist es allerdings, daß auch die AKA (ein privates Unternehmen der großen Außenhandelsbanken) von all diesen Vorschlägen des Vizekanzlers, durch die ihr ein neues Geschäftsgebiet zugewiesen werden soll, erst durch die Zeitungen erfahren hat und ihr auch auf Anfrage hin aus dem Ministerium Blücher nicht einmal ein paar nähere Erläuterungen zuteil geworden sind... W. R.