wo. da., Halle

Als "Wodka-Emil" war der 42jährige Sportfunktionär Erich-Emil H. aus Halle weithin im Lande bekannt. H. pflegte sich schon tagsüber in seiner Eigenschaft als Leiter der "Betriebssportgemeinschaft Motor, Albert Richter" und als Betreuer der Jugendmannschaften in Lokalen aufzuhalten, in die er ständig Besprechungen mit seinen Unterfunktionären legte. Allerdings kam der Sport hierbei zu kurz, da der Sportbonze die Konferenzteilnehmer zu halbtägigen Billard- und Skatmeisterschaften zu animieren pflegte. Dabei wurden gewaltige Mengen an Spirituosen konsumiert, so daß der Verein bald den Spitznamen "Betriebs-Suffgemeinschaft" erhielt.

Dieses fröhliche Treiben nahm jetzt für H. und seine Kumpane ein trauriges Ende. Kollegen, die sich mehr für Sport als für den Alkoholkonsum interessierten, setzten eine Kassenkontrolle durch, die gewaltige Unterschlagungen ergaben. H. hatte als Kassenverwalter der Sportgemeinschaft eine Reihe von Einnahmen für seinen Privatbedarf entnommen.

Der Fall sollte erst vertuscht werden, da "Wodka-Emil" gute Beziehungen durch Spitzeldienste unterhielt. Vor Gericht kam H. aber schließlich doch, nachdem die Sportgemeinschaft mit geschlossenem Austritt drohte. Erst zu diesem Zeitpunkt enthob man den ungetreuen Bonzen seiner Funktionen, verhaftete ihn und stellte ihn vor das Hallenser Kreisgericht Nr. 2. Dort verurteilte man ihn wegen fortgesetzter Unterschlagung zu einem Jahr Gefängnis. Seine Unterfunktionäre sind noch alle in Amt und Würden.