DIE ZEIT

Hand an der Weiche

Wie wenige Schritte uns im vorigen Herbst vom Abgrund eines Atomkrieges trennten – wer weiß es schon und wer denkt noch daran? Vergessen sind die sowjetischen Unterseeboote, die unterwegs waren nach Port Said; vergessen die aufgetankten Düsenbomber sowjetischen Ursprungs in Syrien; vergessen – oder nie bekanntgeworden – sind die sowjetischen Truppenbewegungen während der kritischen Novembertage in Mecklenburg und Thüringen.

Elfes bleibt ohne Paß

Wilhelm Elfes (Mitbegründer des Bundes der Deutschen) war im Dezember 1952 nach Wien gereist, um an dem von den Kommunisten arrangierten „Kongreß der Völker für den Frieden“ teilzunehmen.

Unter den Fittichen der SPD

Daß die bundesdeutsche Wählerschaft, die in diesem Wahljahr so frühzeitig zum Nachdenken aufgerufen ist, die Neigung habe, einem der beiden großen Gegenspieler, der CDU oder der SPD, ihre Stimme zu geben und also das Zweiparteien-System energisch zu fördern, scheint nach den Ergebnissen der Meinungsforschung nicht mehr zweifelhaft zu sein.

KARL SCHILLER:: Mehr akademische Freiheit!

Wo unsere Wissenschaft und Forschung heute steht und vor allein, wie man sie aus ihrer augenfälligen Notlage herausführen kann – das ist eines der wichtigsten Themen unserer gegenwärtigen öffentlichen Diskussion.

Die Tommys und der General

Jene zum Teil recht aggressiven Kommentare, die anläßlich der bevorstehenden Ernennung General Speidels zum Chef der NATO-Landstreitkräfte Mitteleuropa in Londons Fleet Street geschrieben wurden, haben den englischen Zeitungslesern die Augen darüber geöffnet, daß eines Tages britische Truppen unter dem Befehl eines deutschen Generals kämpfen könnten.

Deutsche Haut auf dem Markt Europas

Nach Paul Henri Spaak, Alcide de Gasperi und Giuseppe Pella sitzt seit dem 27. November 1956 zum erstenmal ein Deutscher auf dem Präsidentensessel des Montan-Parlaments in Luxemburg: dem 52jährigen Freiburger Universitätsprofessor und christlich-demokratischen Bundestagsabgeordneten Hans Furier stehen die Glocke und das Glas Wasser zu, wenn sich die Mitglieder des kleineuropäischen Abgeordnetenhauses in den kommenden Wochen – jetzt oder nie, sagt man sogar in Paris – auf Euratom und auf den gemeinsamen Markt umstellen werden.

ZEITSPIEGEL

Zwei Feiern zum Reichsgründungstag fanden am 18. Januar in Wiesbaden statt, – die eine veranstalteten die Freien Demokraten, die andere die Freien Vplksparteiler.

Mustergültige Musterung

In den Morgenstunden des 21. Januar betraten einige sorgfältig gekleidete, sehr sauber gewaschene junge Leute einen länglichen einstöckigen Neubau in einer im übrigen etwas grau und elend aussehenden Straße Hamburgs.

Wieso ist Mollet noch nicht gestürzt?

Kaum eine französische Regierung seit 1945 dürfte ihrem Lande so viele Niederlagen eingebracht haben wie diejenige des sozialistischen Parteisekretärs Guy Mollet.

Zwischen Diktatur und Freiheit

Wenn ein kommunistisches Regime Wallen veranstaltet, bei denen die Stimmbeteiligung über neunzig Prozent beträgt und der Parteichef 99,4 Prozent der abgegebenen Stimmen erhält, so liegt die Vermutung nahe, daß es sich um einen Wahlschwindel, also um die in totalitären Staaten üblichen Scheinwahlen handelt.

Kapitulation der FVP

Ihr Name verschwindet auf Bundesebene. Nur in Nordrhein-Westfalen und in den süddeutschen Ländern bleibt er erhalten. Aber auch dort nur mit dem Zusatz: „Landesverband der Deutschen Partei.

Marx pro Tito

Als Gegenbeweis zu der vom Chefredakteur der sowjetischen Zeitschrift „Kommunist“,Rumjanzew, vertretenen Behauptung, der jugoslawische Vizepräsident Kardelj habe ein falsches Marx-Zitat gebraucht, veröffentlichte die parteiamtliche Belgrader Borba im deutschen Original, was Marx über die Pariser Kommune gesagt hat: – „Sie wollte das individuelle Eigentum zu einer Wahrheit machen, indem sie die Produktionsmittel, den Erdboden und das Kapital, jetzt vor allem die Mittel zur Knechtung und Ausbeutung der Arbeit, in bloße Werkzeuge der freien und assoziierten Arbeit verwandelt.

Unsere modernste Bühne

Ein Theaterfest wie in Wien können in Deutschland wohl nur die Mannheimer feiern. Als Theaterpublikum genießen sie einen einzigartigen Ruf.

Unser Schulschiff ist nicht flott

Die große Zahl von Briefen – kritischen wie zustimmenden –, die wir auf den Artikel „Die deutschen Schulen – kein deutsches Ruhmesblatt“ (Nr.

Die Rache des Berges

Madame saß im milden Nachmittagslicht vis-àvis des gewaltigen Berges auf der Terrasse des Cafés „Gewaltiger Bergblick“ und nestelte teils an ihrem Schreibnecessaire, teils an ihrer Après-Ski-Kombination.

Der große Einseitige

Toscanini, der vielen als der größte Dirigent der spätromantischen Epoche gilt, gehörte, wie sein Altersgenosse Leo Blech, zu den Berühmtheiten, die ihr Handwerk – das Dirigieren – nicht erst erlernen mußten.

Die Vermassung ist das Unglück

Wir Heutigen aber reden stets und ständig von individueller Rücksicht, denken uns immer feinere Methoden zum Verständnis des Individuums und zu seiner Behandlung aus und stellen neuerdings sogar besondere Schulpsychologen an.

Notizen

Scharfe Rüge für Hilpert. Der Göttinger Stadtrat befaßte sich in einer vertraulichen Sitzung mit den Vorgängen, die sich anläßlich der Ernennung Eduard von Wintersteins zum Ehrenmitglied des Deutschen Theaters in Göttingen ereigneten (siehe DIE ZEIT, Nr.

Mathematik oder Kunst?

In der „Neuen Sammlung“ an der Münchener Prinzregentenstraße ist zur Zeit eine Ausstellung von Arbeiten des Schweizers Max Bill zu sehen, die einen Überblick über das gesamte Schaffen des Gründers und – bis 1956 – Rektors der „Hochschule für Gestaltung“ in Ulm bietet.

Geist und Gesundheit

Aus dem klassischen Altertum stammt die Überzeugung, daß in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist wohne. Das sportliche Ideal unserer Zeit, das eine harmonische Ausbildung aller körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Menschen fprdert, stützt sich auf den gleichen Gedanken.

Remarque schoß daneben

Als Vorwort schreibt der Autor: „Scheltet nicht, wenn ich einmal zurückkehre zu den sagenhaften Jahren, als die Hoffnung noch wie eine Flagge über uns wehte und wir so an verdächtige Dinge glaubten wie Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Toleranz – und auch daran, daß ein Weltkrieg genug Belehrung sein müsse für eine Generation.

Stirbt das Feuilleton aus?

Als der Abbé Julien Louis de Geoffroy im Jahre 1789 zum ersten Male am Journal des Débats, wo er Mitarbeiter war, eine Betrachtung über Theater unter dem Anzeigenteil schrieb, war ein neuer Zeitungsteil – und ein neues literarisches Genre – das „Feuilleton“ geboren.

Neue Schallplatten;: Schubert-Lieder

Der 31. Januar ist Franz Schuberts hundertsechzigster Geburtstag. Er gibt uns Anlaß zu einigen Bemerkungen über den Liederkomponisten, die durch neue Veröffentlichungen der Electrola und der Columbia in interessanter Weise illustriert werden.

Miß Anne und die Weltliteratur

Was die Menschen dachten, schrieben und unternahmen, hat man kritisiert, zensuriert und mit Verboten belegt, seit es Eva verboten wurde, den Apfel zu essen.

Neue Hamlet-Deutung

Nach einem Wort T. S. Eliots ist die Hamlet-Tragödie „rätelhaft und beunruhigend“ wie kein anderes Stück Shakespeares.......

Sehenswerte Filme

Picasso (Frankreich). Die Malerei „in statu nascendi“, die Intimität: des schöpferischen Prozesses, will der abendfüllende Dukumentarfilm von Henri-George Clouzot an dem Beispiel Picasso zeigen.

Notizen für Reisende

Deutschlands Ausländerfremdenverkehr hatte 1955 rund die doppelte Höhe von 1913 erreicht. Das geht aus einer Untersuchung über die Entwicklung des Ausländerfremdenverkehrs in Deutschland seit 1913 hervor, die vom Frankfurter Institut für Fremdenverkehrswissenschaft durchgeführt wurde.

Lob der Höhe

Solange es Menschen gibt, die einen Berg, anstatt ihn mit Auto oder Sessellift zu bewältigen, lieber in mühevollem Aufstieg gewinnen, dürfen wir hoffen.

Zwischen den Stühlen

Wer viel Geld hat, kann viel ausgeben. Und wer sich das Geld nicht selber verdienen muß, gibt es noch leichter aus. Selbst eine mittlere Verwaltungsbürokratie schmeißt heute schon mit Hunderttausenden von D-Mark nur so herum.

Bayern: Beamtensorgen

Noch in diesem Jahr wird sich der Bayerische Landtag mit einigen Bestimmungen beschäftigen müssen, die bis heute die Stadt München dazu zwingen, straffällige Polizisten wieder in den Dienst einzustellen, sobald sie eine Strafe von weniger als einem Jahr Gefängnis abgesessen haben.

Ein Streik kostet heutzutage viel Geld

In dieser Woche werden wir ein ebenso ungewöhnliches wie unerfreuliches Jubiläum feiern: den „Vierteljahrestag“ des schwersten und längsten Nachkriegsstreiks, des Streiks der Metallarbeiter in Schleswig-Holstein.

Und nun: Adieu, Kommiß!

Kein Zweifel: auch für Spezialisten ist Hochkonjunktur. Man nehme einmal eine große Tageszeitung und studiere die Stellenangebotsinserate! Jeder bilanzsichere Buchhalter, noch mehr aber jeder Diplomingenieur, und sei er Spezialist auf einem ganz ausgefallenen Gebiet, kann sich heutzutage Posten in Hülle und Fülle aussuchen? und sich, wenn er will, von Mal zu Mal finanziell verbessern.

Herunter – hinauf?

In den letzten Wochen des alten Jahres wurde im Bundeswirtschaftsministerium eifrig an einer neuen kräftigen und breiten Zollsenkung gearbeitet.

Auf einen Blick ...

Bundesinnenminister Schröder ist unter die „Aktivisten“ gegangen, zumindest was die längst überfällige Verwaltungsvereinfachung betrifft: Für Vorschläge, die diesem erstrebenswerten Ziel in seinem Geschäftsbereich dienen, hat der Minister Preise in Höhe von 20 bis 1000 DM ausgesetzt.

Spree-Rhapsodie

Da sitzen sie – wenn man den zeitgenössischen Rhapsoden glauben darf – an den Gestaden Vater Rheins, die vom deutschen Hauptstadtschicksal an den Busen Bonns verschlagenen leiblichen und adoptierten Söhne der Mutter Berolina.

Ist das ein „großzügiges Verhalten“?

dem der österreichischen Regierung die Pflicht auferlegt wird, das in Österreich gelegene deutsche Eigentum entschädigungslos in den Staatsbesitz zu überführen, eine „großzügige Auslegung“ dieser Bestimmungen im Interesse der Normalisierung der Beziehungen zur Bundesrepublik angekündigt.

Unter Dach und Fach

Die griechischen Aufträge an die Bundesrepublik zur Lieferung von Telephonapparaten und -Ausrüstungen, die in der Vergangenheit wegen Verwicklungen politischen Charakters zweimal neu angekurbelt werden mußten, sind jetzt – nach einer Ankündigung von Minister Rallis – endlich unter Dach und Fach gekommen.

Im Norden: Optimismus – aber auch Sorgen

Eine angenehme Überraschung war das abgelaufene Jahr zweifellos für die Wirtschaftsentwicklung in Norwegen: Es hat von den vier skandinavischen Ländern am besten abgeschnitten und sieht mit berechtigtem Optimismus in die Zukunft.

Neuerscheinungen

„Rund um die Börse 1956“. Unter diesem Titel ist die Börsenbroschüre der Commerzbank-Nachfolger erschienen. Sie befaßt sich ausführlich mit den deutschen Aktien- und Rentenmärkten.

Börse fragt: Wer bremst die Anleiheflut?

Nach der Diskontsenkung ist eine Flutwelle neuer achtprozentiger Anleihen auf die Börse hereingebrochen; sie wird sich noch verstärken, denn weitere Emissionen sind angekündigt.

Neues Kapital für die DEA

Nichts konnte die Bedeutung des Energieproblems auch für eine breitere Öffentlichkeit sichtbarer machen als die Ereignisse in Nah- und Mittelost.

Italiens junge Mädchen

In Venedig wurde am 21. Januar der sogenannte „Montesi-Prozeß“ wiederaufgenommen, der größte Skandal der Nachkriegsgeschichte Italiens, in dem es seit vier Jahren um die Klärung der Frage geht, wie die schöne, junge Wilma Montesi im Meer bei Ostia ertrank.

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