Auf der neuen SAS-Nordpolroute in 30 Stunden nach Japan

Wer es dann und wann plötzlich eilig hat, vonEuropa nach Japan zu kommen, der kann ab 24. Februar in nur noch 30 Stunden von Kopenhagen nach Tokio fliegen. An jenem Tage wird die SAS ihre erste richtige Nordpollinie eröffnen, und genau um 22.30 Uhr werden sich zwei Verkehrsflugzeuge zum ersten Male 6000 Meter über dem Nordpol begegnen. Das eine kommt aus Tokio, das andere aus Kopenhagen. Bestimmt werden diegeladenen Ehrengäste, Außenminister und Presseleute ein Glas Sekt zur Feier der Polarnacht trinken. Vielleicht denkt auch der eine oder andere daran, daß es noch keine 50 Jahre her ist, daß Peary nach wochenlanger Fahrt mit dem Hundeschlitten über die Eiswildnis als erster den Nordpol erreichte. Vielleicht gedenkt man auch der Nordpolflüge Amundsens und Byrds im Jahre 1926. – Von Kopenhagen bis Achorage auf Alaska sind es über den Nordpol rund 7000 Kilometer. Dort landet man für eine Stunde, um zu tanken. Dann geht es weiter, mit Kurs nach Südosten, quer über das Beringmeer zur Südspitze der Aleuten und von dort hinaus über den Stillen Ozean. Kamtschatka und das Ochotzkische Meer bleiben rechts in der Ferne und man landet erst wieder in Japan, in Tokio. Insgesamt ist die Flugstrecke Kopenhagen – Nordpol–Tokio 12 894 Kilometer lang. Gegenüber dem bisherigen Weg rund um Asien über Indien und Hongkong spart man zwar 3000 Kilometer, aber dennoch ist die Flugkarte nicht viel mehr als 100 Mark billiger. Hin und zurück kostet der Nordpol-Japan-Flug rund 5000 Mark in der Touristenklasse. Aber gegenüber der Indien-China-Linien spart man an Zeit immerhin 20 Stunden.

Fliegt man über den Nordpol nach Japan, so kreuzt man den berühmten 180. Längengrad mit dem Datumswechsel. Schiffe, die ihn kreuzen, müssen bekanntlich entweder einen Tag zweimal rechnen oder einen Tag auslassen, je nachdem. Wie ist es mit dem Flugzeug? Da fliegt man also um 21 Uhr in Kopenhagen ab und ist am nächsten Mittag um 1 Uhr in Anchorage, nach mitteleuropäischer Zeit. Dort aber zeigen die Uhren erst 2 Uhr früh. Fliegt man nach einstündigem Aufenthalt – also um 14 Uhr MEZ – weiter, so landet man nach 13 Stunden und 25 Minuten in Tokio. In Europa ist es nun 3.25 morgens. In Tokio aber ist es schon 11.25 mittags. Während also in Achorage auf Alaska die Uhren 11 Stunden nachgingen, gehen sie in Tokio acht Stunden vor. Diese acht verlorenen Stunden gewinnt man auf der Rückreise wieder. Denn obwohl man etwas über 30 Stunden im Flugzeug verbringt, ist man von Tokio nach Kopenhagen, nach der lokalen Uhrzeit oder dem Kalender gerechnet, nur 22 Stunden unterwegs. 1959, wenn die großen Verkehrsflugzeuge mit Düsenantrieb eingesetzt werden, die rund 900 Stundenkilometer fliegen, braucht man statt 30 nur noch 19 Flugstunden. Auch hier gewinnt man beim Rückflug von Tokio wieder den Lokalzeitunterschied von acht Stunden und trifft also Lokalzeitmäßig schon elf Stunden nach der Abfahrt in Japan, in Europa ein. Am Nordpol selbst steht die Zeit ganz still – aber davon merkt man nichts, weil man ihn so schnell überfliegt. BP.

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Überschall-Verkehrsflugzeuge. Der Bau eines Überschallverkehrsflugzeuges wird zur Zeit von sieben britischen Flugzeugwerken zusammen mit dem Versorgungsministerium geplant. Obwohl nähere Angaben über das Projekt noch nicht gemacht wurden, rechnet man mit einer Geschwindigkeit von 1600 km in der Stunde, so daß ein Flugzeug mit dieser Leistung in weniger als vier Stunden von London nach New York fliegen und die Reise über den Atlantik zweimal täglich machen kann.