Das Lesen von Romanen und Erzählungen, und um so mehr, je gleichgültiger, bloß "unterhaltender" sie sind, ist doch immer eine Art Beschwörung von Schatten wie die des Odysseus in der Unterwelt, bei der die dämmernden Gestalten erst durchden mitgebrachten Wein und das mitgebrachte Blut zu beleben und zum Sprechen zu bringen sind.

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Zwei Zeiten im Leben eines Schriftstellers: ein Zustand und ein Augenblick. Im ersten hofft er, von mancherlei Widrigkeiten oder auch nur Unbequemlichkeiten bedrängt, einmal nur schreiben zu dürfen. Im zweiten erkennt er, daß er nichts anderes darf: daß ihm nicht nur die sachlich-fröhliche Geschäftigkeit verboten ist, an der sich die anderen erholen, und die leidenschaftliche Teilnahme am Gegenwärtigen, ja, daß selbst die Sorge für das eigene innere Heil bei ihm zurückzutreten hat.

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Nie vergessen, daß alle Kunst zunächst einmal dekorativ zu sein hat.

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Auch die reinsten Dichter errichten doch ganz unwillentlich eine Konvention, die von den Nachfolgenden erst wieder zu durchstoßen ist.