Der Schulsport soll die Gesunderhaltung und die körperliche Ertüchtigung der Jugend zum Ziel haben. Wenn nun der Vorsitzende des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Dr. Max Danz, in einem Rechenschaftsbericht über die Arbeit des vergangenen Jahres erklärte, daß für olympische Erfolge auch weiterhin grundlegende Voraussetzung eine möglichst vielseitige sportliche Betätigung des ganzen Volkes sei, mit der wir in der Schule anfangen müßten, so meinte er natürlich nicht, daß der Schulsport eine Vorstufe für zukünftige olympische Siege sei und jeder Abc-Schütze ein zukünftiger Rekordmann, auf jeden Fall aber eine Förderung des Schulsports auch unseren olympischen Leistungen zugute kommen kann.

Wie ernst die zuständigen Stellen jetzt den Schulsport nehmen, konnte man aus der Etatrede des Finanzministers von Nordrhein – Westfalen, Willy Weyer, ersehen, der erklärte, daß er für einen der wichtigsten Klassenräume die Turnhalle halte, und daß er den Sportstättenbau als eine der wesentlichsten Aufgaben des Landes betrachte. Er sei weiter auch jederzeit bereit, seinem Kollegen im Kultusministerium die notwendigen Gelder für die Unterstützung derjenigen Vereine zur Verfügung zu stellen, die sich der Jugend annehmen. Aus diesem Grunde habe das Land auch die vorjährige Etatsumme für diesen Zweck verdoppelt und hält für 1957 24 Millionen bereit, die jetzt zum großen Teil – wie wir es immer angeregt haben – aus den Lottoeinnahmen gewonnen werden.

Doch das alles reicht immer noch nicht hin. Bis diese Investitionen wirksam werden, könnten vielleicht die Sportverbände und Sportvereine die klaffende Lücke ausfüllen. Sie sagen zwar, sie hätten einen Mangel an Lehrern und an Übungsstätten, sie könnten auch in ihren Jugendabteilungen keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen, weil sie bereits völlig überfüllt seien. Aber ist der Zulauf wirklich so groß? Von etwa zehn Millionen Jugendlichen gehören nur 1,4 Millionen einem Turn- oder Sportverein an. An Sportplätzen gibt es in Hamburg zum Beispiel 150 stadteigene und 100 vereinseigene, die, wie man sich leicht überzeugen kann, den größten Teil des Tages unbenutzt daliegen. Und ebenso ist bekannt, daß in der Bundesrepublik noch immer weit über zweihundert (auch pädagogisch) ausgebildete Turn- und Sportlehrer nicht ihren Beruf ausüben. – Angesichts dieser Tatsachen hat deshalb der Leiter des Instituts für Leibesübungen an der Universität Hamburg, Dr. A. Metzner – einst 400-Meter-Europameister – den Vorschlag einer engen Zusammenarbeit von Schule und Sportbewegung gemacht. Er meint mit Recht, daß nur dadurch zumindest die dritte Turnstunde je Woche erreicht werden könnte. Es muß ein Weg gefunden werden, daß Sportverbände und Schule Hand in Hand gehen können. Dann auch wird jene Forderung ihrer Verwirklichung näher sein, die unlängst in der Schweiz in einer Aussprache über das Thema "Jugend und Sport" von Vertretern der Medizin, der Schule, der Kirche und der sportlichen Organisationen aufgestellt wurde: "Daß die Anstrengungen aller Interessenten darauf gerichtet sein müssen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß sich das Kind unserer Zeit wieder wirklich als Kind entwickeln kann und nicht zu einem inhaltlosen Roboterdasein verurteilt bleibt." Walther F. Kleffel