Auf vielen Gebieten unseres täglichen Verbrauchs dokumentiert sich mit gebührender Deutlichkeit das Ansteigen der Verbraucheranspräche– eine durchaus verständliche Folge des laufend wachsenden Volkseinkommens. Daß manche dieser (offensichtlich überhöhten) Verbraucherwünsche sich zwangsläufig preissteigernd auswirken müssen, wird von den Konsumenten noch immer zu wenig beachtet. Es genügt ihnen anscheinend, daß sich darüber die Fabrikanten graue Haare wachsen lassen ...

Ein typisches Beispiel von dem ständigen Anwachsen der Verbraucheransprüche bietet die Zigarrenindustrie: sie stellt bei den Konsumzigarrenrauchern einen langsamen aber ständigen Wechsel zugunsten besserer Preislagen fest. Betrug 1951 der Anteil der 10-Pf-Ware an dem gesamten Umsatz der westdeutschen Zigarrenindustrie noch 38,3 v. H. und 1952 sogar 39,7 v. H., so ist dieser Prozentsatz bis jetzt auf 36,1 v. H. gesunken. In der gleichen Zeit stieg aber der Anteil von 30-Pf-Zigarren von 10,6 auf nunmehr 13,7 v. H. Leider besteht für diesen Industriezweig keine Chance, aus der Konsumumschichtung gravierende Vorteile für den Verbraucher und auch für die Industrie selbst herauszuholen: ihre Situation ist auf Grund der steigenden Rohtabakpreise, der ständig anziehenden Löhne und Gehälter und der gebundenen Endverkaufspreise mehr als nur angespannt. Diese Tatsache ist auch die Ursache dafür, daß die Zigarrenfabrikanten beispielsweise dem Handel trotz seiner zweifellos gestiegenen Kosten keinerlei Preiskonzession machen können. Unter den gegebenen Umständen gilt für die Zigarrenindustrie als Richtschnur: Nicht Umsatz um jeden Preis, sondern Kalkulation zum richtigen Preis.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma sehen die Zigarrenhersteller im Augenblick nur in einem Herabschrauben der überhöhten (also nicht etwa der normalen) Ansprüche der Verbraucher. Es wird die vernünftige Ansicht vertreten, daß der Raucher, dem es mehr auf die Tabakqualität und nicht so sehr auf das Äußere seiner Zigarre ankommt, sich selber nutzen kann und zudem der Industrie dienen würde, wenn er zum Beispiel auf den bunten (und kostspieligen) Zigarrenring – die Bauchbinde – verzichtet und sich außerdem für eine einfachere (weil Unkosten sparende) Zigarrenform entscheidet. Spitzauslaufende oder am Ende wie ein Kegel oder ein Ei gearbeitete Fassons erfordern einen ganz besonders hohen Lohnanteil. Leider aber sind diese Zigarrenfassons in den letzten Jahren sehr "in Mode" gekommen... ww.