M. D. Köln

Ein biederer, verständnisvoller, freilich übereifriger Polizist aus Köln hat – sicher wider Willen – das neue Ladenschlußgesetz ad absurdum geführt. Es geschah am ersten Tag des Winterschlußverkaufs, einem Montag, in der Kölner Innenstadtfolgendes: einkaufsfreudige Hausfrauen versammelten sich, wie träge Gewohnheit und übertriebene Sorge um die Schlußverkaufsschlager es seit alters her "befehlen", zu früher Morgenstunde vor einem großen Textilkaufhaus. Ungeachtet der bitteren Tatsache, daß seit dem 1. Januar montags die Einzelhndelsgeschäfte erst um 10 Uhr öffnen dürfen, daß man also am ersten Schlußverkaufstag um Stunden zu früh erschienen war, wuchs die Hausfrauenschlange allmählich zu einem für die teuren Schaufensterscheiben gefährlichen Ungeheuer. Noch war es über eine Stunde bis zur gesetzlich vorgeschriebenen Öffnungszeit. Die Geschäftsleitung des Textilhauses, ob angesichts des zu erwartenden Umsatzes schon ungeduldig oder infolge des Schlangenungeheuers vor den Eingangstüren ernsthaft besorgt, sie rief jedenfalls die in solchen Fällen stets hilfsbereite Kölner Polizei zu Hilfe, um Ausschreitungen der einkaufslustigen Hausfrauen in der glashellen Passage des offenen Foyers zu verhindern.

Es kam also ein liebenswürdiger Kölner Polizist. Sei es, daß er die drohenden Gefahren überschätzte, sei es, daß er sich von der Menge der rund zweitausend Einkäuferinnen schrecken ließ, sei es, daß er in der Schlange ein Verkehrshindernis erblickte, sei es, wie immer es sei: der Polizist gestattete, ohne seinen Vorgesetzten erst zu fragen, die vorzeitige Öffnung des Geschäftes. Es war 9.05 Uhr. Die Hausfrauen waren mit dem Polizisten sehr zufrieden.

Weniger zufrieden, ja, angesichts der polizeilichen Gesetzesübertretung empört waren die umwohnenden Konkurrenten, die gesetzestreuen Kaufleute, die sich um so mehr an das Gesetz gebunden fühlten, als ihr Einzelhandelsverband sie ausdrücklich zur strikten Einhaltung der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten verpflichtet hatte. Die enttäuschten gesetzestreuen Einzelhändler ließen gegen die Firma Strafanzeige und gegen den Polizisten Dienstaufsichtsbeschwerde erstatten.

Der Einzelhandelsverband Köln hatte einen solchen oder ähnlichen Zwischenfall zu Beginn des Winterschlußverkaufs befürchtet und hatte daher die Düsseldorfer Landesregierung schon im Dezember gebeten, am ersten Tag des Schlußverkaufs die gesetzliche Ladenöffnungszeit (montags 10 Uhr) um eine Stunde vorzuverlegen. Die Landesregierung lehnte den Antrag ab.

Im übrigen raten die Kölner Einzelhändler herum, wieso es eigentlich möglich war, daß eine Stunde vor der amtlichen Öffnungszeit für den Winterschlußverkauf genügend Verkäuferinnen in dem belagerten Kaufhaus waren. Jedenfalls wurden die Kunden ordentlich und sorgfältig bedient...