Der Jahresbericht der Holding der Gruppe Gutehoffnungshütte ist auch diesmal wieder von "so ergreifender Kürze", daß kaum etwas über das Unternehmen zu berichten ist. Dr. Hermann Reusch, Vorsitzer des Vorstandes vom Gutehoffnungshütte Aktienverein, Oberhausen, ergänzte daher in aufgeschlossener Weise während einer Pressekonferenz den Bericht. Daraus ging hervor, daß das Unternehmen in den angeschlossenen Gesellschaften zur Zeit rund 70 000 Menschen beschäftigt, gegen rund 45 000 im Jahre 1950. Dem Jahresumsatz von 2,4 Mrd. DM stand zum Schluß des Berichtsjahres ein Auftragsbestand von 2,59 (1,9) Mrd. DM zur Seite, der sich inzwischen auf über 3,32 Mrd DM erhöht hat. Davon entfallen allein 1,17 Mrd DM auf die Deutsche Werft AG, Hamburg, und knapp 1 Mrd. DM auf MAN.

Von dem Umsatz gingen 35 (30) v. H. In den Export. Der Exportanteil am Auftragsbestand liegt zur Zeit bei rund 60 v. H. Ein leichter Rückgang bei den Inlandsbestellungen sei durch den Export mehr all ausgeglitten. Diese Entwicklung werde anhalten, neinte Hermann Reusch. Er gab sodann eine Aufgliederung des Konzernumsatzes auf die einzelnen Beteiligungsunternehmen. Danach belief sich der Umsatz in der Gruppe Sterkrade auf 223 (201) Mill. DM, bei Haniel & Uta auf 27,7 (27,3), bei Schloemann AG auf 105 (53), bei MAN auf 578 (540), bei Maschinenfabrik Eßlingen auf 87 (651, bei Deutsche Werft AG, Hamburg, auf 254 (186), bei Schwäbische Hüttenwerke auf 75 (60), bei Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerk auf 216 (170), bei Hackethal Draht- und Kabel-Werke auf 109 (105,5), bei Kabel- und Metallwerke Neumeyer AG auf 91 (75), bei Eisenwerk Nürnberg auf 44 (33), bei Zahnräderfabrik Renk AG, Augsburg, auf 25 (24), bei der Deggendorfer Werft auf 6,7 (3,6) und beim Handelsunternehmen Ferrostaal auf 490 (405) Mill. DM.

Reusch teilte mit, daß die Kostenerhöhungen des vergangenen Jahres auf der Rohstoff-, Betriebs- und Lohnseite nur in einem sehr begrenzten Umfange hätten abgewälzt werden können. Folglich seien die Betriebsgewinne der Töchter zum goßen Teil zurückgegangen. Die Gesamteinnahmen der Holding lägen allerdings höher als im Vorjahr. ebenso der Ertrag. Die oHV beschloß eine Dividende von wieder 8 v. H. auf 76,576 Millionen DM dividendenberechtigtes AK. Reusch kommentierte: ,,Die Dividende hätte an sich höher sein können, denn wir haben mehr verdient Aber dafür ist sie im Vorjahr mit ebenfalls 8 v H. höher als der Ertrag gewesen." So gleiche sich das wieder aus. Selbst wenn man in den guten Jahren größere Erträge mache, so wolle er doch gewisse Reserven für konjunkturell schlechtere Jahreanlegen, um die Dividende möglichst stabil zu halten. Das GHH-Papier sei nach überwiegender Meinung der Aktionäre kein Spekulationsobjekt, sondern ein Anlagepapier,

Weiterhin war zu hören, daß für die Gruppe das Investitionsprogramm seit der Währungsreform rund 500 Mill. DM betragen hätte. Das zur Zeit angelaufene Programm summiere sich bei den angeschlossenen Unternehmen auf ebenfalls wieder rund 500 Mill. DM für die nächsten Jahre, ohne daß Kohle und Stahl miteinbegriffen sind. Sie liegen noch außerhalb der unmittelbaren Führung durch die GHH-Spitze. Reusch meinte, daß der Zusammenschluß vom Hüttenwerk Oberhausen und der Bergbau AG Neue Hoffnung nur eine Frage der juristischen Formeln sei und daß auch ein weiterer Wiederzusammenschluß mit der Maschinenbaugruppe GHH im Kreis der Überlegungen liege. Die HV des Hüttenwerkes wählte Hermann Reusch in den AR, Damit wurde zunächst eine gewisse Personalunion sichergestellt, Die Hohe Behörde hatte schon vor Jahresfrist einen Wiederzusammenschluß mit den Worten kommentiert: Liegt im Rahmen üblicher Betriebsgrößen. Das hieße also, ein Veto ist nicht zu erwarten.

Auf der oHV äußerte sich Dr. Hermann Reusch überaus positiv zum Gemeinsamen Markt und zu Euratom. Beides nannte er einen wesentlichen Schritt nach vorn, wobei die Errichtung des Gemeinsamen Marktes auf lange Sicht gesehen eine Koordinierung der Wirtschafts- und Konjunkturpolitik in Europa voraussetze, was der Integration nur dienlich sein könne. Reusch. meinte, daß bei jeder Fusion, so auch beim Gemeinsamen Markt, eine Wertberichtigung auf das Anlagevermögen der nationalen Wirtschaften notwendig werde. Dann würde der tatsächliche Ertragswert wieder zum Vorschein kommen. Er hoffe, daß eine Fusion der nationalen Wirtschaften zu einer europäischen Wirtschaft nicht dazu dienen werde, unrentabel gewordenen Unternehmen zu neuer Scheinblüte zu verhelfen. r l t.

In der Nordstern-Gruppe legte die Nordstern-Rückversicherungs-AG, Köln und Berlin, den Abschluß für 1955/56 (30. 6.) vor. Den Aktionären wird wieder eine Dividende von 8 v. H. gezahlt. Der Verlauf des Geschäfts war im ganzen zufriedenstellend: Verluste brachten allerdings die Unfall- und – wie allgemein beobachtet – in gesteigertem Maße die Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung, Die Beitragseinnahme betrug 1955/56 infolge Vertragsänderungen mit 48,8 Mill. DM genau 1 Mill DM weniger als im Vorjahr. – Bei der Nordstern-Leben wurden die Gewinnanteile an Versicherte ab 1. 1, 1957 fühlbar erhöht. Die 1955 bis 1957 gewährten Versicherten-Dividenden betragen insgesamt bis zu 65 v. H. eines Jahresbeitrages.